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Amerika, der Länge nach (XXIII):"Was sagen Sie zu Oliver Kahn?"

Touristen sind in den Städten Kolumbiens vor der Guerilla relativ sicher. Vor Polizeiverhören jedoch nicht.

In Kolumbien überquere ich die Marke von fünftausend Metern über dem Meer. Das ist in Europa nicht möglich. Auf dem Gletscher liegt Schnee. Schwarze Lavaspuren ziehen sich durchs Eis.

(Foto: Grafik: Lettner)

Die Luft ist ziemlich dünn. Der Weg zum Krater ist gesperrt, weil die Schwefelwolken für Menschen giftig sind.

Ich wandere mit neun Kolumbianern aus Cali und meiner Studienkollegin Gabriela aus Bogota.

Weiter unten haben wir einen angemieteten roten Chevrolet über die dritthöchste Straße der Welt gequält. Adler kreisen über dem Paramo. Die Pflanzen sehen seltsam aus.

Die Kondore verstecken sich. Der Paramo ist ein Ökosystem in den Anden, zwischen dreitausend Metern und dem ewigen Schnee. Ich rechne damit, dass gleich Luke Skywalker vor dem Auto steht. In der Nacht gefriert der Boden.

Ich bin schon ziemlich lange in Kolumbien. Als ich am Flughafen in Panama einchecken wollte, um nach Medellin zu fliegen, fühlte ich mich schwach. Amelia Varela Doralis vom Bodenpersonal brachte mich zur Ärztin und wartete auf mich. Angeblich hat sich meine Brandwunde entzündet.

Ich fliege einen Tag später nach Medellin. Immer noch schwach. Im Krankenhaus wird Dengue diagnostiziert.

Dengue ist eine Fieberkrankheit in den Tropen. Im Dschungel in Panama haben mich Moskitos gestochen. Daher kommt das Fieber. Einen Impfstoff gegen Dengue gibt es nicht.

Das Fieber wirkt so, als ob sich der Körper komplett ausschaltet. Eine Medizin gibt es auch nicht. Wer sich infiziert hat, muss sich eine Woche ins Bett legen und warten.

Ein Busfahrer empfiehlt mir ein billiges Luxushotel. Dort richte ich mich ein.

Vom Bett aus sehe ich die Hochhäuser von Medellin. Gegenüber liegt eine Videothek. Ich schaue mir Filme von Almodovar an, "Munich" von Steven Spielberg und "Alfie" mit Jude Law. Alfie ist ein unabhängiger junger Mann. Er liebt fünf Frauen gleichzeitig.

Das bringt ihn nicht weiter: "Es ist mein eigenes Leben, aber ich habe keinen inneren Frieden. Und wenn du den nicht hast, dann hast du gar nichts."

Viele Menschen fahren nicht nach Kolumbien. Das Land gilt als gefährlich. In Wirklichkeit lassen die Guerillas und Paramilitärs die Touristen seit vielen Jahren in Frieden.

Es sei denn, die Touristen fahren in eine Gegend, in der sie nichts verloren haben, und stolpern durch die Kokafelder. Im Dschungel herrscht immer noch Krieg. Der Rest des Landes ist sicher. An die Militärposten gewöhne ich mich schnell.

In Bogota nehmen mich vier Polizisten fest. Ich hatte Fotos von Kindern und von Regierungsgebäuden gemacht. Auf der Wache gibt es ein kleines Gefängnis mit zwei Zimmern.

Südamerika

Durchs wilde Kolumbien