Wikileaks über die FDP:Liberaler Maulwurf

Wer ist der "junge aufstrebende Parteigänger" der FDP, der die US-Botschaft mit Details aus der Koalition versorgt haben soll? In der Partei ist eine interessante Theorie im Umlauf.

Peter Blechschmidt

In einem Wirtschaftsunternehmen wäre es vermutlich ein Grund für eine fristlose Kündigung, wenn ein Mitarbeiter interne Informationen zur Konkurrenz trüge. Dass ein "junger aufstrebender Parteigänger" der FDP die US-Botschaft in Berlin mit Details aus den schwarzgelben Koalitionsverhandlungen versorgt haben soll, ist allerdings nach Einschätzung führender Liberaler mit einem solchen Vertrauensbruch nicht vergleichbar. Jedenfalls hält sich der Eifer, mit dem die FDP nach dem angeblichen Maulwurf fahndet, sehr in Grenzen.

Der anfängliche Vorschlag des Vizevorsitzenden Rainer Brüderle, die in Frage kommenden Personen sollten eidesstattliche Versicherungen ihrer Unschuld abgeben, wurde von Parteichef Guido Westerwelle abgebügelt. Der mochte die Geschichte nach eigenen Worten "so" ohnehin gar nicht glauben.

FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger sagt, die Informationen für die Amerikaner seien "alles Sachen, die wir der Öffentlichkeit mit großer Freude mitgeteilt haben. Wir haben kein Problem mit dem, was da drin steht." Gleichwohl hat Homburger sicherheitshalber feststellen lassen, dass es "keine Anhaltspunkte" dafür gibt, dass der Maulwurf ein Mitarbeiter oder gar ein Mitglied der Fraktion ist.

Dass alles gar nicht so schlimm sein soll, stützt eine Theorie, die in Parteikreisen die Runde macht. Danach soll der Chef und damalige Außenminister in spe selbst den Emissär geschickt haben, um die Westerwelle-skeptischen Amerikaner von seinen Amerika-freundlichen Absichten zu überzeugen. Homburger nennt das Spekulation.

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