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Westjordanland:Israelische Soldaten erschießen jungen Palästinenser

  • Während eines Einsatzes in einem Flüchtlingslager sollen israelische Sicherheitskräfte von Einwohnern mit Steinen und Brandsätzen angegriffen worden sein.
  • Daraufhin eröffneten sie das Feuer und erschossen einen 19-Jährigen.
  • Der israelische Siedlungsbau im Westjordanland ist einem Bericht zufolge im vergangenen Jahr um 40 Prozent gestiegen.

19-jähriger Palästinenser bei Ausschreitungen getötet

Israelische Soldaten haben in der Nacht zum Dienstag einen palästinensischen Jugendlichen getötet. Der 19-Jährige sei während gewaltsamer Ausschreitungen im Flüchtlingslager Dheischeh nahe Bethlehem erschossen worden, teilten palästinensische Ärzte mit. Der junge Mann soll ein erklärter Unterstützer der Palästinenserorganisation Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sein.

Eine Sprecherin der israelischen Armee gab an, die Soldaten seien mit Steinen und Brandsätzen angegriffen worden. Dabei soll ein Soldat verletzt worden sein. Die Sicherheitskräfte hätten versucht, die Menge aufzulösen, sich dann aber in Lebensgefahr gesehen und das Feuer "auf den Anführer" der Gruppe eröffnet, der erschossen worden sei, sagte die Sprecherin.

Höchststand bei Siedlungsbau im Westjordanland

Der israelische Siedlungsbau im Westjordanland ist einem Bericht zufolge im vergangenen Jahr um 40 Prozent gestiegen. In dem besetzten Palästinensergebiet sei 2014 mit dem Bau von 3100 Wohneinheiten begonnen worden, schrieb die israelische Organisation Peace Now in einem Bericht. Zugleich sei der Bau von 4485 Wohnungen in den jüdischen Siedlungen im Westjordanland und in Ostjerusalem ausgeschrieben worden. Dies sei der höchste Stand seit mindestens zehn Jahren, teilte die Organisation mit, die sich seit Jahren gegen den Siedlungsbau einsetzt.

Für die Staatengemeinschaft sind allerdings sämtliche Siedlungen in den besetzten Gebieten ein Verstoß gegen das Völkerrecht. "All diese Zahlen beweisen, dass Benjamin Netanjahu alles tut, um am Boden Fakten zu schaffen, um eine Zwei-Staaten-Lösung unmöglich zu machen", sagte die Peace-Now-Vertreterin Hagit Ofran.

© SZ.de/dpa/AFP/fie/anri

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