Wahlkampf in Frankreich Sarkozys Erzfeind Villepin will Präsident werden

Dominique de Villepin will als unabhängiger Kandidat bei der französischen Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr antreten. Umfragen sehen ihn bei einem Prozent - und doch könnte Villepin seinem langjährigen Rivalen Sarkozy sehr schaden.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erhält bei den Präsidentschaftswahlen im April Konkurrenz aus dem eigenen Lager: Der frühere Außenminister Dominique de Villepin kündigte am Sonntagabend im französischen Fernsehsender TF1 seine Kandidatur an.

Dominique de Villepin (Bild) und Nicolas Sarkozy verbindet eine jahrelange Rivalität, die 2006 in einem Verleumdungsprozess gipfelte.

(Foto: AFP)

Er sei besorgt über den zunehmenden Einfluss der Märkte auf die französische Politik, sagte Villepin. Sich selbst sehe er als überparteilichen Gaullisten, der den Franzosen neue Hoffnung geben könne. Villepin war von 2005 bis 2007 unter dem damaligen Staatschef Jacques Chirac Regierungschef und davor bereits Innen- und Außenminister.

Viele Mitglieder seiner ehemaligen Partei, der UMP, forderten Villepin daraufhin auf, seine Kandidatur zurück zu ziehen. "In dieser schweren Krisenzeit ist es gefährlich, sich in eine einsame Kandidatur zu stürzen", warnte Ausbildungsministerin Nadine Morano im Fernsehsender BFM. Die Wahlkampfbeauftragte der konservativen UMP appellierte an Villepin, noch einmal über seine Entscheidung nachzudenken und sich dann hinter Amtsinhaber Nicolas Sarkozy zu stellen, der seine Kandidatur für die Wahlen im Frühjahr noch nicht angekündigt hat.

Auch der Fraktionsvorsitzende der UMP in der Nationalversammlung, Christian Jacob, forderte Villepin auf, "in die Familie zurückzukehren". Villepin hatte 2010 seine eigene Partei République Solidaire gegründet und war aus der UMP ausgeschieden.

In Umfragen liegt der Erzrivale von Sarkozy, der ihm 2007 die Präsidentschaftskandidatur streitig machen wollte, bei einem Prozent. Das Regierungslager fürchtet dennoch, dass Villepins Kandidatur Sarkozy wertvolle Stimmen kosten könnte.

Bislang sehen Umfragen Sarkozy im zweiten Wahlgang bei 25 Prozent, hinter dem sozialistischen Kandidaten François Hollande. Verliert der amtierende Präsident Prozentpunkte an Villepin, könnte davon die rechtsextreme Partei Front National profitieren, die bislang auf dem dritten Platz liegt.

Die Neogaullisten Sarkozy und Villepin lieferten sich jahrelang eine erbitterte parteiinterne Schlacht um die Chirac-Nachfolge. 2007 setzte sich Sarkozy durch. Im September 2011 sprach ein Berufungsgericht Villepin in einem Verfahren um eine schon länger zurückliegende Rufmordkampagne gegen Sarkozy vom Vorwurf der Verleumdung frei. Bereits im ersten Prozess war er freigesprochen worden.

Im konservativen Lager wollen neben Villepin auch der populäre Francois Bayrou und der frühere Verteidigungsminister Hervé Morin ins Rennen um die Präsidentschaft einsteigen. Die Wahl findet am 22. April und 6. Mai 2012 statt.