Wahlerfolg der AfD Die AfD bedient geschickt Vorurteile

3. Die Piraten suchten (vergeblich) neue Themen, die AfD bedient Ressentiments, die bereits vorhanden sind

Die Führung der AfD hat richtig erkannt, dass das Versprechen, eine Partei neuen Typs zu sein, für dauerhafte Wahlerfolge nicht ausreichend ist. Es gelang den Piraten nie, überzeugende Inhalte zu entwickeln, die mehr Wähler als nur ihr Stammpublikum überzeugten.

Die AfD hingegen greift geschickt Ressentiments und gesellschaftliche Strömungen auf, die es in Deutschland bereits gibt und die in der derzeitigen Parteienlandschaft wenig Platz finden: als Islamkritik getarnte Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit, die Wut über vermeintlich faule Südländer, die sich auf Kosten deutscher Steuerzahler ein gemütliches Leben machen, die Angst davor, eine wie auch immer geartete deutsche Identität zu verlieren, die pauschale Ablehnung von etablierten Politikern und Medien.

Mit Themen wie diesen ziehen rechtspopulistische Parteien seit Jahren in ganz Europa in Parlamente ein, da schien es fast verwunderlich, dass sich in Deutschland rechts von der Union keine ernstzunehmende Partei fand. Denn es gab ja auf der anderen Seite bereits die sagenhaften Bucherfolge eines Thilo Sarrazins, der all diese Ressentiments unter dem Deckmantel vermeintlich wissenschaftlicher Beweise, Zahlen und Fakten mit großem Erfolg bedient.

Die Vorgehensweise Sarrazins, Menschen in nützlich und weniger nützlich einzuteilen und nebenbei die Angst vor dem Fremden zu schüren, findet nun ihre Fortsetzung im kühl kalkulierenden Wirtschaftsliberalismus und der Islamkritik der AfD. Dazu inszeniert sich die Partei als Bewahrerin deutscher Traditionen, als natürlicher Verbündeter von Bewegungen wie Pegida und fügt zur Abrundung ein wenig Kritik an der deutschen Russland-Politik und der "Lügenpresse" hinzu.

Das Wählerpotenzial der AfD geht damit nach Ansicht von Experten weit über die Abgehängten der Gesellschaft hinaus, die als typische rechte Wähler gelten. Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer sprach bereits 2010 von einem "verrohten Bürgertum", das hauptsächlich auf den eigenen Vorteil bedacht sei und die Solidarität zu schwächeren Bevölkerungsgruppen aufkündige - seien das nun Flüchtlinge, Hartz-IV-Empfänger oder die angeblich faulen Griechen.

Was die AfD erfolgreicher macht als zum Beispiel die NPD, ist, dass sie zwar an ihrer Basis die krudesten Thesen toleriert, ja, ihren Sympathisanten und Mitgliedern das Gefühl gibt, endlich mal alles sagen zu dürfen und auch noch gehört zu werden. Dass aber ihre Sprecher sich in der Öffentlichkeit nie allzu weit von Positionen entfernen, wie sie auch vom rechten Flügel der CSU kommen könnten. Die AfD gibt so rechtspopulistischem Gedankengut einen bürgerlichen Anstrich - etwas, das der NPD mit ihrem Neonazi-Image nie gelang.

Die Inhalte, die den Piraten fehlten, liegen für die AfD auf der Straße. Ihre Führungspersönlichkeiten müssen sie nur noch aufheben, ohne dabei selbst allzu schmutzige Hände zu kriegen.