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Wahl in Mecklenburg-Vorpommern:Merkels Wahlkampf in der Wagenburg

Merkel bei CDU-Wahlkampfveranstaltung

Applaus für das "Herz der deutschen Wirtschaft": Angela Merkel und CDU-Spitzenkandidat Lorenz Caffier bei der gleichnamigen Veranstaltung.

(Foto: Bernd Wüstneck/dpa)
  • Laut Umfragen kommt die CDU in Mecklenburg-Vorpommern bestenfalls auf so viele Stimmen wie AfD und NPD zusammen.
  • CDU-Chefin Angela Merkel absolviert im Wahlkampf ein paar wenige Beistandstermine unter freiem Himmel - mit handverlesenen Gästen.
  • In Neustrelitz geht es lange nicht um Weltpolitik. Die Reporter werden unruhig, dann traut sich doch ein Fragesteller, das Thema Flüchtlinge anzusprechen.

Die Kanzlerin kommt gleich nach Neustrelitz. Was halten eigentlich die Menschen auf dem sonnigen Marktplatz von Angela Merkel? "Eher abgeneigt" sei man hier, sagt der Obsthändler, der an seinem Stand sicher allerhand zu hören kriegt. Ihm selbst missfällt die Asylpolitik, "da wurden viele Fehler gemacht. Sie ist stur geworden".

In Mecklenburg-Vorpommern habe sie enorm verloren, auch bei ihm, einem ihrer ehemaligen Wähler. Er werde sein Kreuz bei der Landtagswahl am 4. September bei der AfD machen, "aus Protest". Der Fruchtmann findet es auch okay, dass vorhin die NPD einen Stand aufgebaut hat, mitten in dieser alten Residenzstadt auf der Seenplatte. Merkel? "Ist vorbei, die hat sich zu viel geleistet", sagt nebenan eine Frau und lacht.

Die CDU-Vorsitzende tritt dann nicht auf dem Marktplatz auf, sondern am Waldrand, im Landeszentrum für Erneuerbare Energien. Sie erreicht das streng bewachte Gebäude mit Hubschrauber und Limousine, drinnen warten außer Parteifreunden nur handverlesene Gäste, Journalisten und Sicherheitsleute. Das Thema der Veranstaltung: "Der Mittelstand, das Herz der deutschen Wirtschaft."

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Die CDU erhält in Umfragen so viele Stimmen wie AfD und NPD zusammen

Hinter der hohen Fensterfront sitzen Handwerker und Unternehmer, aber kein unzufriedener Gemüseverkäufer und schon gar keine eierwerfenden Demonstranten. Auf der Bühne neben Merkel sitzt Lorenz Caffier, der CDU-Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, der Ministerpräsident werden will. Vor allem ihm soll sie helfen und sich selbst natürlich auch.

Wobei nicht ganz klar ist, ob ein solcher Wagenburgwahlkampf gegen Populisten und Frustrierte funktioniert, auch wenn die oberste Christdemokratin in diesen Sommerwochen ein paar wenige Beistandstermine unter freiem Himmel absolviert. Laut den Umfragen bekommt die CDU bestenfalls so viele Stimmen wie AfD und NPD zusammen, die Sprüche wie "Damit Deutschland nicht zerstört wird" oder "Volk braucht Heimat" plakatieren. Möglicherweise wählt jeder Vierte rechts.

Ihr Bundestagswahlkreis sei ja der auf Rügen, sagt die Kanzlerin, "ich mache da dauernd mal Spatenstiche". Seit zehn Jahren regiert die CDU im spärlich besiedelten Bundesland wieder mit, das habe Mecklenburg-Vorpommern "gutgetan", findet die Kanzlerin - geführt wird die gelobte Koalition gleichwohl vom SPD-Ministerpräsidenten Erwin Sellering, den Caffier nun herausfordert, eine wie auf Bundesebene komplizierte Konstellation. Auch ist die Stimmung in strukturschwachen Teilen der Region nicht ganz so gut, weshalb man nach Sonnenuntergang durch düstere Dörfer fährt, in denen hauptsächlich die Discounter-Reklame leuchtet.

Dünn besiedelt

Mecklenburg-Vorpommern ist das am dünnsten besiedelte und am ländlichsten geprägte deutsche Bundesland. Auf einer Fläche von 23 211 Quadratkilometern leben etwa 1,60 Millionen Menschen. Das entspricht 69 Menschen pro Quadratkilometer. 2011 gingen von 1,39 Millionen wahlberechtigten Bürgern nur ‎708 111 zur Landtagswahl. Das entsprach einer Wahlbeteiligung von 51,5 Prozent. SZ