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Wahl des Bundespräsidenten: Herzog gegen Wiederwahl

Altbundespräsident Roman Herzog hält die bisher möglichen zwei Amtszeiten à fünf Jahre für unangemessen. Er setzt sich für eine Ausweitung der Amtszeit auf sieben Jahre ein, allerdings ohne die bisherige Möglichkeit zur Wiederwahl.

"Wenn die ersten fünf Jahre gut laufen, erwartet das Volk von den zweiten fünf Jahren Wunderdinge. Sie können aber keine Wunder produzieren", sagte Herzog der Tageszeitung Die Welt. Zugleich fordert Herzog eine neue Einkommensregelung für Staatsoberhäupter. "Der Ehrensold ist Gesetz. Wir sollten es aber ändern."

Bei einer allzu langen Amtszeit verliere der Präsident an Aufmerksamkeit: "Wenn Sie als Bundespräsident das erste Mal auf einem Ball Ihre Frau küssen, dann ist das eine Sensation", sagte Herzog. "Das trägt aber nicht über Jahre. Das wird Herr Gauck vielleicht auch bei seinen Reden zur Freiheit merken." Zur Wahl des Theologen Joachim Gauck werde er am Sonntag nicht nach Berlin reisen, sagte Herzog. "Um was zu erleben? Eine Wahl, von der ich weiß, wie sie ausgeht."

Nach Herzogs Einschätzung ist es sinnvoll, den Ehrensold - derzeit 199.000 Euro - zunächst lediglich drei Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt zu zahlen, für die folgenden drei Jahre nur noch zu 60 Prozent. Anschließend müsste der jeweilige Altpräsident bis zum gesetzlichen Rentenalter wieder einen Beruf ergreifen. Im Ruhestand solle es für den Ex-Amtsinhaber dann wieder den Ehrensold geben.

Gauck geht mit einem großen Vertrauensvorschuss bei den Bürgern an den Start. 80 Prozent der Deutschen halten ihn für glaubwürdig. Das hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap für die ARD-Sendung "Günther Jauch" ermittelt. Etwa ein Drittel (37 Prozent) weiß aber noch nicht, wofür Gauck steht. Nach dem Rücktritt von Christian Wulff wird der neue Bundespräsident an diesem Sonntag in Berlin gewählt. Der frühere DDR-Bürgerrechtler Gauck ist der gemeinsame Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen.

Die Linke hat die frühere Nazi-Järgerin Beate Klarsfeld nominiert.

Gut zwei Drittel (68 Prozent) der von Infratest dimap Befragten gehen davon aus, dass Gauck sich als Bundespräsident auch für die sozial Schwachen einsetzen wird. Ähnlich viele Bürger (67 Prozent) rechnen damit, dass er den politischen Parteien deutlich seine - auch unbequeme - Meinung sagen wird.

In einer Emnid-Umfrage für die Illustrierte Focus sagten je 76 Prozent der Befragten, Gauck solle sich in seinen kommenden Reden vordringlich mit den Themen Freiheit und Familie beschäftigen. 65 Prozent erwarten ein Engagement Gaucks zur Bekämpfung der EU-Finanzkrise, 51 Prozent Anstrengungen zur Vollendung der Einheit. 49 Prozent wünschen sich, dass Gauck sich beim Thema Afghanistan einbringt.

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