Waffenruhe gebrochen:Kein Frieden in Syrien

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Diktator Assad trickst mit Nachforderungen, seine Feinde provozieren mit Feuerüberfällen. In Syrien scheinen derzeit weder das Regime noch seine Gegner an einem Ausgleich interessiert zu sein. Beide Seiten setzen auf Sieg - weshalb in Homs und Hama weiter Krieg geführt wird.

Tomas Avenarius

Friedenspläne sind Wetten auf die Einsichtsfähigkeit erbitterter Feinde. In Syrien ist diese begrenzt, auf beiden Seiten der Frontlinie. Präsident Baschar al-Assad etwa weiß genau, dass er die UN-Friedensinitiative von Kofi Annan aus dem Gleis zu werfen droht, wenn er im letzten Moment neue Forderungen an die Adresse der Rebellen stellt und dann noch schriftliche Garantien dafür verlangt, dass seine Gegner ihre Waffen abliefern.

Warum sollten sie dies tun, bevor beide Seiten an einem Verhandlungstisch sitzen? Um sich von Assads Bütteln wehrlos wie Schafe abschlachten zu lassen?

Die Feinde des Despoten verhalten sich nicht klüger, wenn sie syrische Soldaten aus dem Hinterhalt beschießen und anschließend über die türkische Grenze flüchten. Wer die Türkei, den Nachbarstaat und Freund, auf solch hinterhältige Weise in den eigenen Krieg hineinzuziehen versucht, verscherzt sich Sympathien.

Aber das Verhalten der Untergrundkämpfer zeigt ebenso klar wie Assads dreiste Nachforderung, dass in Syrien derzeit weder das Regime noch seine Gegner an einem Ausgleich interessiert sind. Beide Seiten setzen auf Sieg - weshalb in Homs und Hama weiter Krieg geführt wird.

Daran wird sich so schnell kaum etwas ändern. Das internationale Eingreifen, auf das die Rebellen hoffen mögen, zeichnet sich nicht ab. Mit gutem Grund. Aber Präsident Assad sollte die Stärke seiner Panzer und Kanonen nicht überschätzen. Saudi-Arabien und Katar machen keinen Hehl mehr daraus, dass sie ihre Dollar-Millionen bereitstellen, um die Aufständischen schnellstens aufzurüsten. Unter diesen Vorzeichen hat Kofi Annans Wette auf Frieden in Syrien wenig Chancen auf einen Erfolg.

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