Waffenlieferungen:Partner im Panzer-Puzzle

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Waffenlieferungen: Die Bundeswehr verfügt über 226 "Leopard 2"-Panzer. Nur die Hälfte davon dürfte einsatzbereit sein.

Die Bundeswehr verfügt über 226 "Leopard 2"-Panzer. Nur die Hälfte davon dürfte einsatzbereit sein.

(Foto: Jens Schlüter/Getty Images)

Könnten die Europäer gemeinsam der Ukraine "Leoparden" liefern?

Von Joachim Käppner und Paul-Anton Krüger

Es war an Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, noch einmal die Position der Bundesregierung darzulegen mit Blick auf mögliche Panzerlieferungen an die Ukraine. Im Interview in der ARD-Talkshow "Anne Will" bekräftigte die Grünen-Politikerin dabei vor allem die zurückhaltende Linie von Bundeskanzler Olaf Scholz. Kampfpanzer für die Ukraine werde es nur im Gleichschritt mit den Verbündeten geben, aber: "Derzeit geht keiner der internationalen Partner den Schritt", sagte Baerbock.

Man kann das auch als Appell an die westlichen Partnernationen lesen, hatte die Ministerin doch vergangene Woche im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung noch eine rasche Entscheidung angemahnt. Tatsächlich aber schicken die Franzosen keine Leclerc-Kampfpanzer, die Amerikaner keine ihrer M1 Abrams und die sonst so forschen Briten auch keine Challenger 2. Das sind die jeweiligen Pendants zum deutschen Leopard 2, nach dem die Ukraine nach den militärischen Erfolgen im Nordosten des Landes gegen die russischen Invasoren wieder so laut ruft.

Die gesamte Logistikkette dahinter müsse funktionieren, sagte Baerbock und nahm die von den Ukrainern hochgeschätzte Panzerhaubitze 2000 als Beispiel. Für diese Artilleriegeschütze baue man ein Reparaturzentrum in Polen auf. Für Kampfpanzer müsste eine komplett neue Logistik hochgezogen werden, schon weil sie mit ihren 120-Millimeter-Kanonen ganz andere Granaten verschießen. Technisch unterscheiden sich vor allem die Abrams stark von allem, was die Ukraine im Einsatz hat: Sie werden von einer Gasturbine angetrieben, die in der Wartung andere Anforderungen stellt als die üblichen Dieselmotoren.

Insgesamt bräuchten die Ukrainer eine längere Ausbildung für die modernen Panzer, die ihre Kampfkraft computergesteuerten Waffenanlagen verdanken. Das war aber auch ein Argument, das anfangs gegen die Lieferung der Panzerhaubitzen oder des Flugabwehrpanzers Gepard angeführt wurde. Die Ukrainer haben sich da recht lernfähig gezeigt. Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn schätzt sogar, dass ihre Soldaten am Leopard 2 nicht länger im Crashkurs ausgebildet werden müssten als an der Panzerhaubitze 2000.

Panzerangriffe gehören bisher kaum zur ukrainischen Kriegsführung

Eine zuletzt vorgebrachte Idee lautete, jene Staaten Europas, die über Leopard-Panzer verfügen, könnten sich bei der Belieferung der Ukraine zusammentun. Innerhalb der Bundeswehr gibt es dennoch Zweifel am Nutzen einer Leopard-Lieferung. Für die Ukraine weit wirksamer seien Haubitzen und Mehrfachraketenwerfer, die über Dutzende Kilometer sehr zielgenau feuern und die Infrastruktur der russischen Armee schwer getroffen haben. Der Leopard ist eher für die Front selbst geeignet, seine Kanone schießt etwa vier Kilometer weit; Panzerangriffe gehörten aber bisher kaum zur ukrainischen Kriegsführung. In der Offensive bei Charkiw rückten sie mit leichten Fahrzeugen vor. Anders könnte das schon sein bei den stärker gesicherten russischen Linien im Süden, da könnten Panzer durchaus eine Rolle spielen.

Allerdings ist die Panzertruppe der Bundeswehr in der Ära Merkel zusammengestrichen worden: Zuletzt waren 226 Leopard 2 übrig, von denen die eine Hälfte als Ersatzteillager dienen musste. Die Industrie hätte noch 100 Marder-Schützenpanzer auf Lager, von denen aber 40 in einen Ringtausch mit Griechenland gehen sollen. Aber auch hier sind andere westliche Staaten nicht freigiebiger: Weder liefern die USA ihre Bradley-Kampffahrzeuge, noch die Briten den Schützenpanzer Warrior, beides auch Kettenfahrzeuge. So lange aber dürfte sich an der deutschen Position nichts ändern. Er habe sich vergangene Woche im Kabinett rückversichert, ob sich die Haltung der Bundesregierung oder einzelner Ressorts verändert habe, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner am Montag in Berlin. "Das konnte nicht bestätigt werden."

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