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Migration:Verbände fordern Aufnahme von mehr Flüchtlingen

Übergangsklasse in der Grundschule Martinsried, 2015

Übergangsklasse in einer Grundschule, wo auch Flüchtlingskinder unterrichtet werden.

(Foto: SZ Photo)

Viele Flüchtlingsunterkünfte stünden leer oder könnten reaktiviert werden. Deutschland habe die vor fünf Jahren gekommenen Menschen gut integriert - auch ins Bildungssystem.

Von Nina von Hardenberg

Deutschland kann und sollte eine erhebliche Zahl Geflüchteter aufnehmen. Dazu will am Freitag ein großes zivilgesellschaftliches Bündnis aufrufen. Viele Flüchtlingsunterkünfte stünden leer oder könnten kurzfristig reaktiviert werden, und wichtiger noch: Fünf Jahre nach dem großen Sommer der Flucht sei klar, dass Deutschland die damals gekommenen Menschen gut integriert habe, heißt es in dem Text, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

85 Prozent aller Geflüchteten hätten mittlerweile an Sprachkursen teilgenommen. Anfang März 2020 hatte fast jeder zweite Geflüchtete in Deutschland Arbeit. Jedes Semester immatrikulierten sich mehrere Tausend Geflüchtete an deutschen Hochschulen und Universitäten.

Die Aufnahme der Geflüchteten sei in vielerlei Hinsicht ein Erfolg, heißt es in dem Text, den unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Neuen Deutschen Medienmacher sowie zahlreiche weitere Organisationen der Asyl- und Integrationsarbeit auf Bundes- und Landesebene unterzeichnet haben. Vor dem fünfjährigen Jubiläum des Fluchtsommers wollen sie damit eine "Gegenerzählung" zu der oftmals negativen Bewertung der vergangenen Jahre starten, wie es der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, ausdrückt.

Am 31. August 2015 hatte Kanzlerin Angela Merkel mit Blick auf die steigende Zahl von nach Europa eingereisten Asylbewerbern den berühmten Satz "Wir schaffen das" gesagt. Am 5. September 2015 entschied sie, in Ungarn festsitzende Flüchtlinge ausnahmsweise ohne Grenzkontrollen einreisen zu lassen. Die Zahl der Asylanträge stieg sprunghaft an und erreichte 2016 mit 745 545 Anträgen ihren Höhepunkt. Nach der Einrichtung von Grenzbarrieren auf der Balkanroute kamen wieder deutlich weniger Flüchtlinge.

Die Not in den Herkunftsländern aber sei vielerorts unverändert, mahnen die Verbände. Sie warnen deshalb davor, Menschen in den Irak oder nach Afghanistan abzuschieben. Besser sei es, sie vom ersten Tag an zu integrieren. Die Deutschen hätten bewiesen, dass sie das könnten. Die Politik allerdings habe dieses Engagement zuletzt erschwert. So müssen Flüchtlinge, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen sind oder die eine Ablehnung bekommen haben, zurzeit grundsätzlich für 18 Monate in Sammelunterkünften der Bundesländer bleiben. Für Familien beträgt diese Zeit, in der auch die Kinder nicht in die Schule gehen, sechs Monate. Asylsuchende müssten schnell in die Kommunen verteilt werden, fordern dagegen die Verbände.

© SZ vom 03.07.2020/fie

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