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Stromausfall:Ganz Venezuela ohne Strom

Stromausfall in Caracas (Venezuela)

Große Teile von Caracas waren ohne Strom.

(Foto: AFP)
  • In weiten Teilen Venezuelas ist am Montagabend der Strom ausgefallen.
  • Die Regierung von Staatschef Maduro macht dafür einen "elektromagnetischen Angriff" auf einen Staudamm verantwortlich.
  • Der Oppositionsführer und selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó gibt dagegen der Regierung die Schuld.

In weiten Teilen Venezuelas ist erneut der Strom ausgefallen. Der landesweite Ausfall sei augenscheinlich durch einen "elektromagnetischen Angriff" auf das größte Wasserkraftwerk des Landes am Guri-Stausee ausgelöst worden, teilte die Regierung in der Hauptstadt Caracas am Montag mit. Die Behörden arbeiteten an der Wiederherstellung, sagte Kommunikationsminister Jorge Rodríguez in einer verlesenen Mitteilung, die in den sozialen Medien verbreitet wurde.

Rodríguez rief die Menschen zu Ruhe auf. Notfallpläne seien in Kraft, sodass medizinische Einrichtungen nicht betroffen seien. Sicherheitskräfte würden ausgesendet, um für den Schutz der Menschen zu sorgen.

Der Strom in der Hauptstadt fiel kurz nach 16 Uhr aus, Ampeln und die U-Bahn funktionierten nicht mehr. "Das ist furchtbar, das ist ein Desaster", sagte Reni Blanco, eine 48-jährige Lehrerin, die am Nachmittag versuchte, nach Hause zu laufen, bevor es dunkel wurde.

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Berichten in sozialen Medien zufolge waren 19 der 24 Provinzen betroffen. Netblocks, eine Nichtregierungsorganisation, die Internetaktivität und Zensur beobachtet, teilte mit, die meisten Teile Venezuelas seien betroffen, nur sechs Prozent hätten Strom.

Machtkampf zwischen Guaidó und Maduro

Im März hatte es mehrere massive Stromausfälle gegeben. Die Regierung von Präsident Nicolás Maduro machte eine "internationale Cyberattacke" dafür verantwortlich. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez sprach auch damals von einem "elektromagnetischen" Angriff, dessen Plan in Washington ausgeheckt und vom Flügel der extremen Rechten durchgeführt worden sei.

Die Regierungsgegner um Guaidó sprachen hingegen von verschleppten Investitionen, Korruption und mangelhafter Wartung der Anlagen. "Sie haben die Tragödie mit Rationierung im ganzen Land zu verheimlichen versucht, aber das Versagen ist offensichtlich: Sie haben das Stromnetz zerstört und haben keine Antworten", twitterte Oppositionsführer Juan Guaidó.

Seit Anfang des Jahres liefert sich Staatschef Maduro einen erbitterten Machtkampf mit dem Parlamentspräsidenten Guaidó. Zahlreiche Oppositionelle sitzen in Haft. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, warf den Sicherheitskräften vor wenigen Wochen schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Außerdem leidet das einst reiche Land unter einer schweren Versorgungskrise. Aufgrund von Devisenmangel können kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs eingeführt werden. Millionen Venezolaner sind bereits ins Ausland geflohen.

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