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Venezuela nach der Ära Chávez:Massive Proteste setzen Maduro unter Druck

Venezuela's President Maduro speaks during a national broadcast at Miraflores Palace in Caracas

Schwacher Präsident, starke Worte: Nicolás Maduro

(Foto: REUTERS)

In Venezuela leben die alten Feindschaften wieder auf. Bei Demonstrationen gegen den schwachen Präsidenten Maduro werden mehrere Menschen erschossen. Der reagiert mit einem Haftbefehl gegen einen populären Oppositionsführer - und mit der Ausweisung von Beamten des US-Konsulats.

Es sind nicht die ersten Demonstrationen für und gegen die sozialistische Regierung in Venezuela, diesmal aber ist der Zwist so gefährlich wie lange nicht. Mindestens drei Menschen wurden bei den Protesten in den vergangenen Tagen erschossen, zwei oppositionelle Studenten und ein Polizist.

Mehrere Demonstranten wurden verletzt und verhaftet, und nun will die Justiz einen Oppositionsführer festnehmen. Es heißt, Leopoldo López werde im ganzen Land gesucht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe die Gewalt angezettelt. Jeder dieser Konflikte zeigt, wie zerrissen diese südamerikanische Republik ein knappes Jahr nach dem Tod von Hugo Chávez ist. Die Bruchlinien ziehen sich mitten durch die verfeindeten Lager.

Die Stimmung in Caracas erinnert an 2002, als der damalige Präsident Chávez aus dem Amt geputscht wurde und erst mit Hilfe der Armee zurückkehrte. Seinerzeit gab es ebenfalls Tote, reaktionäre Gegner scheiterten damals mit ihrem Umsturz sowie einem folgenden Streik und Wahlboykott. Und der brachiale Widerstand reaktionärer Kreise machte den Caudillo stärker.

Toilettenpapier fehlt, Zeitungspapier geht aus

Chávez gewann dank seiner Ölmilliarden und Sozialprogramme Wahl um Wahl, Referendum um Referendum, ehe er im März 2013 einem Krebsleiden erlag. Vernünftige Rivalen besannen sich auf den demokratischen Wettbewerb und hätten Chávez' schwachen Nachfolger Nicolás Maduro im April 2013 fast bezwungen. Jetzt ist die Feindschaft wieder offen sichtbar.

Die Lage eskalierte am Mittwoch, als Studenten gegen Maduro und seine Riege auf die Straße gingen. Vertreter der Universitäten hatten sich schon früher immer wieder gegen die Herrschenden aufgelehnt, 2007 nach der Verbannung des anti-chavistischen Privatsenders RCTV auch gegen Chávez. Nun machten Herausforderer aus den Hörsälen erneut mobil.

Grund ist, dass das ölreiche Venezuela zunehmend chaotisch wird und Maduro immer mehr in Bedrängnis gerät. Die Inflation hat bereits mehr als 50 Prozent erreicht. In Supermärkten fehlen Grundstoffe wie Toilettenpapier. Regierungskritischen Blättern wie der traditionsreichen Gazette El Nacional geht das Zeitungspapier aus, weil Maduros Regierungslager die Devisen für die Einfuhr von Druckrollen nicht freigibt. Die Kriminalität wuchert, kürzlich wurden eine frühere Schönheitskönigin und ihr Mann nach einer Autopanne neben ihrer kleinen Tochter ermordet.

In diesem Ambiente fordern Studentenverbände Maduros Rücktritt, unterstützt von rechtskonservativen Politikern. "Es war eine friedliche Demonstration, aber leider haben bewaffnete Gruppen der Regierung einen Trauertag daraus gemacht", klagte die Geschichtsstudentin Gabriela Arellano, 26, der Universidad de los Andes, dem Sender BBC.