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Protest gegen Staatschef Maduro:Venezolaner demonstrieren in mehr als 300 Städten

Rally against Venezuelan President Nicolas Maduro's government in Caracas

Juan Guaidó vor Anhängern in Caracas

(Foto: REUTERS)
  • Im anhaltenden Machtkampf in Venezuela sind Anhänger der rivalisierenden Lager im ganzen Land auf die Straße gegangen.
  • "Wir fordern nicht nur Wasser und Licht, sondern auch Demokratie und Zukunft", sagt der selbsternannte Interimspräsident und Oppositionsführer Guaidó vor Tausenden Anhängern in Caracas.
  • Präsident Maduro wirft seinen Gegnern vor, Unruhe im Land zu stiften.

Mit Kundgebungen in mehr als 300 Städten hat Venezuelas Opposition gegen die seit einem Monat anhaltenden Stromunterbrechungen protestiert und den Druck auf Staatschef Nicolás Maduro erhöht. Bei der Hauptkundgebung in Caracas führte der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó erstmals einen Protestmarsch an, seitdem Getreue von Staatschef Nicolás Maduro ihm diese Woche die Immunität als Parlamentspräsident entzogen hatten.

Damit droht dem Oppositionsführer Strafverfolgung und eine mögliche Verhaftung. Ihm wird unter anderem ein Verstoß gegen die Verfassung vorgeworfen, weil er einen Machtanspruch erhoben hat. "Wir fordern nicht nur Wasser und Licht, sondern auch Demokratie und Zukunft", sagte Guaidó bei der Kundgebung, die er zum Beginn seiner "Operation Freiheit" ausgerufen hatte, vor Tausenden Anhängern. Er rief zur Eintracht und zu anhaltendem Druck auf Maduro auf, bis dieser gestürzt sei.

"Heute ist etwas offenkundig", sagte er. "Venezuela hat keine Angst und geht weiter auf die Straßen, bis wir Freiheit errungen haben." Guaidó forderte die Menge auf, zur Zentrale des staatlichen Energieversorgers Corpoelec zu ziehen. Hintergrund sind anhaltende Stromanfälle, die weite Teile des Landes schon seit Wochen lähmen. Auch fließendes Wasser gibt es vielerorts nicht, das Mobilfunknetz liegt brach. Guaidós Unterstützer sehen in den Ausfällen ein weiteres Versagen der sozialistischen Regierung, Maduro spricht von "terroristischen" Akten seiner politischen Gegner.

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Zwei Abgeordnete der Opposition wurden bei einer Kundgebung in Maracaibo nach eigenen Angaben vorübergehend festgenommen. Bei Zusammenstößen mit der Polizei seien in der Küstenstadt etwa 30 Demonstranten verletzt worden, berichtete die Zeitung El Nacional. Zwei Journalisten des Senders VPItv seien von Nationalgardisten geschlagen worden, teilte die Journalistengewerkschaft SNTP über Twitter mit. In der Hauptstadt Caracas versuchte die Regierung nach Angaben Guaidós, die zentrale Kundgebung zu stören, indem Sicherheitskräfte vier Lastwagen mit der Soundanlage für seine Ansprache beschlagnahmten.

Auch die Maduro-Anhänger gehen auf die Straße

Im Zentrum der Hauptstadt kamen derweil zahlreiche Anhänger des Präsidenten zusammen. Maduro erneuerte in einer Ansprache seinen Aufruf zum Dialog für Frieden in Venezuela. Zugleich warf er Gegnern vor, Attacken im Land anzuzetteln. Damit sollten sie aufhören. "Glaubt ihr, dass ihr durch Terrorismus politische Macht erlangen werdet?", fragte Maduro. "Niemals! Nicht mit elektrischem Terrorismus, nicht mit politischem Terrorismus, nicht mit Söldnerterrorismus."

Guaidó wird von Washington und fast 50 weiteren Staaten in seinem Machtanspruch unterstützt, er konnte Maduro bisher aber nicht verdrängen. Dieser kann auf die mächtige Militärführung zählen und weiß Länder wie China, Kuba und Russland hinter sich.

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