USA: Neuer Stabschef William Daley:Manager der Mächtigen

Ein millionenschwerer Manager wird Barack Obamas neuer Stabschef im Weißen Haus: William Daley gilt den Liberalen als Inbegriff des Establishments, "verstörend" sei dessen Berufung. Der Präsident überhört es - er orientiert sich an einem erfolgreichen Vorbild.

Michael König

William Daley verschlechtert sich: Sein Gehalt sinkt von kolportierten drei bis fünf Millionen auf 170.000 Dollar im Jahr. Aber was bedeutet schon Geld, wenn man mehr Macht bekommen kann? Hier verbessert sich William Daley: Der derzeitige Manager der Großbank JP Morgen Chase wird neuer Stabschef im Weißen Haus. Er entscheidet zukünftig, was auf dem Schreibtisch von Präsident Barack Obama landet. Er verwaltet dessen Kalender und ist einer der wichtigsten Berater. Der Stabschef gilt vielen als zweitmächtigster Mann im Weißen Haus. Er ist der Manager des Präsidenten.

Barack Obama, William Daley

US-Präsident Barack Obama (rechts) bei der Vorstellung William Daleys im Weißen Haus: Der Manager einer Großbank wird neuer Stabschef.

(Foto: AP)

Für Daley ist das ein großer Schritt auf der Karriereleiter - aber wahrlich nicht der erste. Für Obama ist es ein Schritt in Richtung politischer Mitte und womöglich eine Annäherung an die Republikaner, die ihm im Repräsentantenhaus die Mehrheit abgenommen haben. Die Kommentatoren der amerikanischen Presse sind größtenteils der Meinung, Obama handle klug und reiche der Wirtschaft die Hand. Dem linken Flügel geht das gegen den Strich.

Frühe Kontakte zu Clinton

In ihren Augen ist Daley das personifizierte politische Establishment - und, noch schlimmer: Auch der Inbegriff eines Wirtschaftslobbyisten. Beides ist schwer von der Hand zu weisen: Der 62 Jahre alte Jurist springt seit den späten siebziger Jahren munter zwischen Geschäftswelt und Politik hin und her, von einer Top-Position zur anderen, immer in Kontakt mit der Clique der Mächtigen.

Der Sohn des langjährigen Chicagoer Bürgermeisters Richard Daley wird nach seinem Jura-Studium 1976 Berater von Präsident Jimmy Carter. Für den amtierenden Vizepräsidenten Joe Biden organisiert er 1987 den Wahlkampf - Biden kandidiert als Präsidentschaftskandidat, zieht seine Bewerbung jedoch zurück. Daley schadet das nicht, im Gegenteil.

Früh knüpft er Kontakte zu Bill Clinton, für den er 1993 als Sonderberater das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta durchboxt - gegen viele Widerstände. Zum Dank macht Präsident Clinton ihn 1997 zum Handelsminister der USA. Er bleibt bis 2000 auf diesem Posten und leitet anschließend die Präsidentschaftskampagne von Al Gore, der George W. Bush knapp unterliegt.

"Ein echter Fehler"

Die politische Karriere Daleys verläuft nicht stringent, immer wieder wechselt er in die Wirtschaft: Etwa als Präsident des Telekommunikationsunternehmen SBC oder der Amalgamated Bank of Chicago. 2004 heuert Daley bei JPMorgen Chase an und wird Verantwortlicher für die Geschäfte im Mittleren Westen der USA. Beim Rüstungshersteller Boeing und dem Pharmakonzern Merck & Co. sitzt er im Verwaltungsrat.

Den Liberalen ist Daley damit nur schwer zu vermitteln. Justin Ruben von der Kampagnengruppe MoveOn.org kritisierte die Wahl scharf: "Während die Wall Street Rekordprofite meldet und die amerikanische Mittelschicht weiter mit einer tiefen Rezession kämpft, ist diese Ankündigung verstörend und sendet das falsche Signal an das amerikanische Volk." Auch das Progressive Chance Campaign Committee reagierte ablehnend: Die Wahl Daley sei ein "echter Fehler" und werde bei der Wahl 2012 zu einem "desaströsen Ergebnis" der Demokraten führen, sagte Mitgründer Adam Green.

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