US-Wahlkampf Plötzlich steht auch Paul Ryan im Blickpunkt

Mit dieser Aussage dürfte die Affäre allerdings nicht beendet sein. Akins Fauxpas ist auf zwei Ebenen für die Republikaner äußerst problematisch: So ist Missouri einer der Staaten, den die Partei unbedingt gewinnen muss, will sie den Demokraten auch im Senat die Mehrheit abnehmen.

In den parteiinternen Vorwahlen hatte sich Akin mit Unterstützung der Tea Party durchgesetzt und dabei äußerst konservative Positionen vertreten. Dass er im Kampf um den Senatsposten in einigen Themen zu weit rechts von der Mitte steht, hatten gemäßigte Republikaner bereits befürchtet. Sein derzeitiger Vorsprung auf Amtsinhaberin McCaskill liegt bei acht Prozentpunkten.

Ein zweites Problem ist, dass Akins Aussage auch den Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan in Misskredit bringen könnte, der als absoluter Abtreibungsgegner gilt und im vergangenen Jahr einen umstrittenen Gesetzesentwurf Akins im Repräsentantenhaus unterstützte. Dieser sah Änderungen am staatlichen Gesundheitsfürsorgeprogramm Medicaid vor. Dieses finanziert Abtreibungen nur, wenn es sich um eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung handelt.

Der Entwurf sah vor, dies auf Fälle der "erzwungenen Vergewaltigung" einzuschränken. Der Begriff findet sich in keinem Gesetz und hätte in den Augen von Kritikern dazu führen können, dass beispielsweise während der Tat betäubte Frauen keinen Anspruch auf eine Kostenübernahme durch Medicaid mehr erhalten hätten, weil sie sich nicht gegen den Vergewaltiger hätten wehren können.

Das Romney/Ryan-Wahlkampfteam hat sich bereits von Akins Aussagen distanziert und erklärt, man spreche sich nicht gegen Schwangerschaftsabbrüche im Falle einer Vergewaltigung aus. Romney vertritt wie Obama die Meinung, dass Abtreibungen bei Vergewaltigung, Inzest oder bei Lebensgefahr der Mutter erlaubt sein sollten. Damit befinden sich beide Seiten im Einklang mit der Mehrheitsmeinung: Nur 20 Prozent der Amerikaner vertreten die Position, eine Abtreibung sei "unter keinen Umständen" als legal zu betrachten. 52 Prozent finden, sie sollten "unter bestimmten Umständen" legal sein.

Ein absurdes Argument, das immer wiederkehrt

Romney befürwortet allerdings anders als Obama die Rücknahme einer Supreme-Court-Entscheidung von 1973, derzufolge ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen in den ersten drei Monaten dem Recht auf Privatheit widerspricht.

Wie die Washington Post anmerkt, wurde Akins Theorie, wonach Frauen Schwangerschaften bei Vergewaltigungen verhindern können, bereits häufiger von weniger bekannten konservativen Politikern verwendet. Auch ein von George W. Bush nominierter Bundesrichter pflegte ähnliche Ansichten.

Abtreibungsgegner der Pro-Life-Bewegung greifen allerdings auch häufiger auf das Argument zurück, Frauen würden Vergewaltigungen erfinden, um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu können. Akin selbst hatte Anfang der neunziger Jahre als Abgeordneter in Missouri für ein Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe gestimmt, dabei aber angemerkt, dass Vergewaltigung von einer Ehefrau "in einer schlimmen Scheidung als Werkzeug und juristische Waffe verwendet werden könnte, um den Ehemann zu zerstören".