US-Wahlkampf Messias Obama spielt mit dem Schwefel

Mitt Romneys Vergangenheit als Investmentbanker ist für Obamas Wahlkampfstrategen ein gefundenes Fressen. Doch mit der Schmähkampagne schürt der US-Präsident vor allem eines: Angst bei den Wählern. Das Vorgehen stinkt.

Ein Kommentar von Christian Wernicke

Mitt Romney, der republikanische Präsidentschaftskandidat, ist kein Mann, der seinen Aufstieg zu Macht und Reichtum als Sozialarbeiter begann.

Obama hält in Glen Allen, Virginia, eine Rede im Regen. Mit den TV-Spots gegen Konkurrent Mitt Romney geht seine Kampftruppe zu weit.

(Foto: REUTERS)

Nein, dieser Multimillionär war stets ein so glühend gläubiger wie kühl praktizierender Ur-Kapitalist - ein Profit-Maximierer, der als Manager des Investmentfonds Bain Capital die Erträge für sich und seine Anleger dadurch mehrte, dass er Firmen kaufte, zerlegte und Jobs vernichtete. Romney hatte Erfolg auf Kosten anderer. Und keine Skrupel.

Was Wunder also, dass der konservative Aspirant vielen Amerikanern unsympathisch ist. Genau dieses Unbehagen versucht nun Barack Obama aufzugreifen und zu schüren. Des Präsidenten Kampagne erinnert zu Recht daran, dass Romney nur sehr eingeschränkt alte Steuererklärungen preisgeben und somit Einblicke in die Quellen seines Vermögens gewähren will.

Aber Obamas Kampftruppe geht weiter, zu weit. In TV-Spots schmäht sie Romney als Exporteur von US-Jobs nach Mexiko und China - und verweist dazu auf Entscheidungen, die Bain erst fällte, als Romney längst nicht mehr die Geschicke des Fonds lenkte.

Obama billigt diese ätzende Propaganda. Damit tut der Demokrat, was er vor vier Jahren den damals abgewirtschafteten Republikanern noch vorgeworfen hatte: Er jagt, mangels frischer Ideen, den Wählern vor allem Angst ein. Der Messias von 2008 spielt mit Schwefel. Es stinkt.