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US-Wahl:Bernie Sanders setzt sich an die Spitze

Erfolg in Nevada: Der 78-Jährige ist nun aussichtsreichster Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten.

Bernie Sanders ist nach seinem klaren Sieg bei der Vorwahl in Nevada zum Favoriten unter den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern aufgestiegen. Der 78 Jahre alte Senator aus Vermont gewann in dem südwestlichen Bundesstaat am Samstag überraschend deutlich. Nach Auszählung von 60 Prozent der Bezirke lag Sanders am Sonntag mit gut 46 Prozent der Stimmen vor dem früheren Vizepräsidenten Joe Biden, der etwa 20 Prozent der Stimmen bekommen hatte. Danach folgten der frühere Bürgermeister Pete Buttigieg (etwa 15 Prozent) und die Senatorin Elizabeth Warren (10 Prozent). Die Senatorin Amy Klobuchar landete mit weniger als fünf Prozent auf dem fünften Platz.

Der parteilose Sanders, der sich als "demokratischen Sozialisten" bezeichnet und ein sehr linkes politisches Programm vertritt, hatte bereits bei den früheren Vorwahlen gut abgeschnitten. In Iowa teilte er sich den ersten Platz de facto mit Buttigieg. Danach siegte er in New Hampshire. Durch den Erfolg in Nevada zementierte er nun seinen Status als aussichtsreichster Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur.

Der Sieg in Nevada war für Sanders besonders wichtig, weil die Wählerschaft dort ethnisch viel gemischter ist als in den fast ausschließlich weißen Bundesstaaten Iowa und New Hampshire. Vor allem Latinos sind in Nevada eine wichtige Wählergruppe. Am Samstag machten sie Umfragen zufolge fast 20 Prozent der Wähler aus. Eine große Mehrheit von ihnen stimmten demnach für Sanders. Das ist ein gutes Zeichen für den Senator: Am 3. März finden in mehr als einem Dutzend Staaten Vorwahlen statt, darunter in zwei der wichtigsten - Kalifornien und Texas. Dort leben ebenfalls viele Latinos. Schneidet Sanders dann ähnlich gut ab, wird es schwierig, ihm die Kandidatur noch zu nehmen.

Sanders' Rivalen haben aber noch nicht aufgegeben. Joe Biden, der sich als Anführer des politisch moderaten Parteiflügels etablieren will, setzt seine Hoffnungen auf die Vorwahl in South Carolina am nächsten Wochenende. Dort dürften Schwarze mehr als die Hälfte der demokratischen Wähler ausmachen. In Nevada waren nur elf Prozent der Wähler Afroamerikaner. Sie waren zugleich die einzige ethnische Gruppe, die nicht mehrheitlich für Sanders stimmte, sondern mit 39 Prozent für Biden. Dieser hofft daher auf einen deutlichen Sieg in South Carolina, um seine Kandidatur am Leben zu erhalten.

Am 3. März will auch der frühere New Yorker Bürgermeister Mike Bloomberg seinen großen Durchbruch schaffen, der bisher bei keiner Wahl angetreten ist. Ob ihm das gelingt, ist offen. Auch Warrens, Buttigiegs und Klobuchars Aussichten auf ein Comeback sind eher dürftig.

Trotz Sanders' Wahlerfolgen gibt es bei vielen Demokraten immer noch starke Zweifel, ob ein selbsternannter Sozialist, der den Sozialstaat massiv ausbauen will, der richtige Kandidat ist, um im Herbst gegen Donald Trump anzutreten. Das Parteiestablishment würde Sanders als Kandidaten daher gerne verhindern, ist aber machtlos, wenn dieser weiterhin Vorwahlen gewinnt.

© SZ vom 24.02.2020
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