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Urlaubsvertretung für Angela Merkel:Rösler darf Kanzler

Philipp Rösler darf bei der Kabinettssitzung heute auf dem Sessel der Kanzlerin Platz nehmen, weil Angela Merkel im Urlaub weilt - der FDP-Chef ist bereits ihr vierter Vizekanzler. Ist doch etwas dran an der Version von Merkels männermordendem Management?

Dafür, dass dieses Amt angeblich nicht so bedeutend ist, wird ganz schön Aufhebens darum gemacht. An diesem Mittwoch ist es wieder soweit: Die Bundeskanzlerin weilt in Urlaub, weshalb ihr Stellvertreter, der Vizekanzler, die Kabinettssitzung leitet.

Nun ist Philipp Rösler schon der vierte Vizekanzler an Angela Merkels Seite, die im sechsten Jahr regiert. Man könnte also zu der Vermutung gelangen, an der Version Merkels männermordenden Managements sei etwas dran. Schließlich sagen ihr böse Zungen nach, auf dem Weg nach ganz oben ihre männlichen Konkurrenten allesamt vergrault zu haben.

Allerdings sucht sich ein Bundeskanzler, respektive eine Kanzlerin, den Vize nicht aus. Ihn bestimmt automatisch der größte Koalitionspartner. Und so ist Merkel gänzlich unschuldig daran, dass nach Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier von der SPD sowie dem Liberalen Guido Westerwelle nun Wirtschaftsminister Philipp Rösler für eine gute Stunde auf dem Sessel der Kanzlerin Platz nehmen wird. Rösler verdankt diese Ehre allein dem Führungswechsel in seiner FDP.

Nicht, dass Rösler diesen Wechsel nicht betrieben hätte. Aber der Titel des Vizekanzlers war dabei sicher nicht ausschlaggebend. Anders als sein Vorgänger will Rösler aus der protokollarischen Zufälligkeit denn auch kein großes Event machen.

Westerwelle hatte im August vorigen Jahres die 18 Minuten dauernde Kabinettssitzung unter seiner Leitung zum Anlass genommen, eine 78 Minuten dauernde Begegnung mit der Hauptstadtpresse zu inszenieren. So etwas werde er nicht tun, hat Rösler versichert. Dass er in Abwesenheit der Kanzlerin als ihr Stellvertreter die Sitzung leite, sei lediglich seine "ganz normale Aufgabe".

Immerhin will aber auch Rösler die Gelegenheit nutzen, ins Fernsehen zu kommen, und zwar nicht nur mit den üblichen "Auftaktbildern" aus dem Kabinettssaal. Um elf Uhr will er in seinem Ministerium persönlich die Kabinettsbeschlüsse zum Energieforschungsprogramm und zur CO2-Kennzeichnung von Fahrzeugen erläutern.

Schließlich sei es ja eine Kabinettssitzung, in der nicht nur Vorlagen abgenickt, sondern Themen inhaltlich beraten würden, heißt es in Röslers Ministerium. Die Botschaft soll wohl lauten: Anders als seinerzeit unter Westerwelle geht es dieses Mal um etwas.

Auch für den stellvertretenden Regierungssprecher Christoph Steegmans, der nach dem Willen Röslers bald seinen Posten räumen muss, ist der Auftritt des Vizekanzlers von Vorteil. Wenn Steegmans am Mittwochmittag die übliche Regierungspressekonferenz bestreitet, wird er nicht auch noch die Führungsqualitäten Röslers im Kabinett preisen müssen.

© SZ vom 03.08.2011/gal

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