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Umstrittener Export:Röttgen lehnt Atomtransport nach Russland ab

Der umstrittene Atommüll aus der DDR bleibt in Ahaus: Umweltminister Norbert Röttgen hat die Genehmigung für den Atomtransport aus dem westfälischen Zwischenlager nach Russland verweigert.

Die Idee war einfach: Deutschland liefert 951 bestrahlte Brennelemente aus dem Zwischenlager Ahaus nach Russland und ist damit den hochradioaktiven Müll los, Russland wiederum erhält frisches Plutonium.

Röttgen besucht Gorleben

Norbert Röttgen hat die Genehmigung für den umstrittenen Atomtransport nach Russland verweigert. Das Archivbild zeigt den Umweltminister in Gorleben.

(Foto: dpa)

Doch nun hat Umweltminister Norbert Röttgen die Genehmigung für den umstrittenen Atomtransport aus dem westfälischen Zwischenlager Ahaus nach Russland verweigert.

Der CDU-Politiker sagte, er sehe die Voraussetzungen für eine schadlose Verwertung der Brennelemente nicht. Ein Hinweis für die fehlenden Voraussetzungen sei, dass die russische Aufbereitungsanlage derzeit nicht in Betrieb sei, so Röttgen. Zunächst soll der Atommüll im Zwischenlager Ahaus bleiben. Eine endgültige Entscheidung ist Röttgens Entschluss nicht. Wenn sich die Lage ändere, könne der Transport erneut beantragt werden, sagte er.

Röttgens Nein sei richtig, komme aber zu spät, sagte Grünen-Parteichef Cem Özdemir. Schon vor zwei Monaten hätten Medienberichte gezeigt, dass die Sicherheitsbedingungen in Majak fragwürdig seien. Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer sagte: "Dass dieser Irrsinns-Transport gestoppt wurde, ist ein Erfolg der Anti- Atombewegung in Russland und Deutschland." Unverständlich bleibe aber, warum Röttgen Monate gebraucht habe, um festzustellen, dass der Transport in ein ökologisches Katastrophengebiet nicht verantwortbar sei.

Die fraglichen Brennelemente sind ein Erbe des Kalten Krieges. Von der Sowjetunion geliefert, stammen die strahlenden Teile aus dem DDR-Atomforschungszentrum Dresden-Rossendorf. Den ursprünglichen Plänen folgend sollten sie in den russischen Atomkomplex Majak geliefert werden.

Grundlage für den Rücktransport hätte der zwischen den USA, Russland und der Internationalen Atomenergiebehörde geschlossene Vertrag sein sollen über die Rückholung von Brennelementen aus Forschungsreaktoren, die von der Sowjetunion bestückt worden waren.

Doch Daten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zufolge ist Majak verstrahlt. Zwischen 1949 und 1956 sollen dort etwa 76 Millionen Kubikmeter flüssiger Atommüll in Flüsse geleitet worden sein. Hochwasser verbreiteten die gefährliche Fracht auch auf Felder der Umgebung.

In Majak sollte der hochangereicherte Müll zunächst abgereichert werden, dann kann er in russischen Reaktoren eingesetzt werden und in Russland endgelagert werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte die Beförderung der Castor-Behälter auf deutschem Territorium genehmigt, das für die Ausfuhr der Castoren zuständige Bundesamt für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle (Bafa) hatte die dafür erforderliche Erlaubnis des Umweltministeriums beantragt.

© sueddeutsche.de/dpa/woja
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