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Ukraine im Umbruch:Moskau wollte eine Vertragsverlängerung, Kiew erstmal nicht

In den Jahren nach Vertragsschluss gab es auf beiden Seiten oft Zweifel daran, dass diese Einigung vor 2017 verlängert werden würde. Die ukrainische Regierung ließ bis vor vier Jahren immer wieder verlauten, dass es ihrer Auffassung nach nicht dazu kommen werde. Das russische Militär prüfte in dieser Zeit zwar durchaus Alternativen zur Hafenstadt Sewastopol, doch keine erwies sich als vielversprechend: Die Schwarzmeerflotte ganz nach Noworossijsk, wo bereits ein Stützpunkt existiert, zu verlegen, war den Analysen zufolge ökonomisch sinnlos.

Der dortige Hafen war bereits durch Handelsschiffe ausgelastet. Würden diese durch die Kriegsmarine verdrängt, würden Handelsschiffe wohl auf die ukrainischen Häfen ausweichen, zu Lasten Russlands. Eine weitere Basis in Temrjuk war lediglich für kleine Schiffe geeignet und den Bau von neuen Häfen im Kaukasus oder Syrien schloss man aus sicherheitspolitischen Gründen aus.

Moskau hielt allerdings nicht nur mangels Alternativen an der Krim als Marinestützpunkt fest. Man wollte auch eine Annäherung zwischen der Nato und der Ukraine verhindern. Der damalige Präsident der Ukraine Viktor Juschtschenko war klar dem Westen zugewandt. Russland fürchtete, dass ein Verlust der Krim einen Machtgewinn der Nato in der Region bedeuten würde.

Nachdem Oppositionsführer Viktor Janukowitsch 2010 die Präsidentschaftswahlen gegen Juschtschenko gewann, erwies sich diese Sorge jedoch als unbegründet: Noch im ersten Jahr seiner Amtszeit verlängerte der russlandfreundliche Janukowitsch im "Vertrag von Charkow" das Abkommen über die Schwarzmeerflotte für weitere 25 Jahre - bis 2042. Diesmal verlangte Kiew als Gegenleistung verbilligte Gaslieferungen, Russland war sein angestammter Militärstützpunkt am Schwarzen Meer damit wieder sicher.

Auch nach dem Zerfall der Sowjetunion und der damit offiziellen Zugehörigkeit der Krim zur Ukraine, hatten sich viele Einwohner der Halbinsel weiter mit Russland identifiziert. Kiew konnte sich auf der Halbinsel deshalb kaum durchsetzen, in den neunziger Jahren wurde die Krim zum autonom verwalteten Gebiet - bis auf die Stadt Sewastopol, die bis heute noch immer direkt der Regierung in Kiew untersteht.

Durch den Sturz des Präsidenten Janukowitsch, der für Moskau ein Garant für den Fortbestand des Stützpunkts seiner Schwarzmeerflotte war, muss Russland jetzt plötzlich wieder um den strategisch so wichtigen Ort fürchten.

Erst im vergangenen Jahr hat Russland nach etwa 20 Jahren wieder mehrere Kriegsschiffe ins Mittelmeer geschickt, um sich seine Stellung dort zu sichern - von der Krim aus. Der ehemalige Marinekommandeur Igor Kasatonov sagte schon vor drei Jahren: "Die Schwarzmeerflotte wird für immer in Sewastopol bleiben".

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version stand, Sewastopol sei im 19. Jahrhundert gegründet worden. Es war im 18. Jahrhundert.