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TV-Duell in Niedersachsen:McAllisters zur Schau gestellte Eitelkeit

Es lag jedoch ebenso an Weil, dass er nach diesem schlechten Start nicht als Verlierer aus dem Duell ging. Bei seinen Leib- und Magenthemen, der Familien- und Bildungspolitik, wirkte der SPD-Mann kompetenter als sein Gegner, brachte ohne große Mühe seine Argumente durch. Als "Symbol für eine rückständige Bildungspolitik" bezeichnete er das Festhalten McAllisters an den umstrittenen Studiengebühren. Neben Bayern ist Niedersachsen das einzige Bundesland, das noch Gebühren erhebt. Kommt es zu Rot-Grün in Niedersachsen, kündigte Weil an, sollen Studiengebühren bis spätestens zum Wintersemester 2014/15 passé sein.

Und McAllister? Schaffte es im Umkehrschluss nicht, die Führung aus den ersten Minuten über die Zeit zu retten. Der CDU-Mann übertrieb es schlichtweg mit der Schönfärberei. Studiengebühren, Verkehrsinfrastruktur, Flüchtlingspolitik: alles heile, alles wunderbar dank der CDU, versuchte McAllister zu suggerieren und schloss dabei gerne mit Sätzen wie: "Dafür stehe ich auch ganz persönlich."

Passend zur zuckrigen Ode auf seine Regierung lieferte David McAllister noch ein Beispiel von persönlicher Überheblichkeit: Seine große Nähe zur CDU-Chefin Angela Merkel (nicht umsonst wird er "Muttis Bester" genannt) betonte er nicht nur einmal, sondern zwei-, dreimal. "Ich habe einen ganz engen Draht zur Bundeskanzlerin", erklärte McAllister und wirkte wie ein siebenjähriger Nachwuchskicker, der mit dem Trainer ab und zu eine Cola trinken darf.

Die zur Schau gestellte Eitelkeit sollte seinen Kontrahenten Weil, den Oberbürgermeister, noch kleiner machen. Dazu dieses süßliche Lächeln, das McAllister-Lächeln. Der Ministerpräsident hätte das Gepose nicht nötig gehabt. Den Niedersachsen wird immerhin nachgesagt, dass ihnen zwischen Harz und Emsland herzlich egal ist, was ihr Ministerpräsident in Berlin treibt.

Verpasste Steilvorlage beim Thema Krankenhausprivatisierung

Weil wiederum schaffte es nicht, McAllisters Angriffsflächen zu erkennen und zu attackieren. Als der Ministerpräsident sich mühte, erneut ohne eine klare Abgrenzung zu Förderer und Ex-Bundespräsident Christian Wulff davonzukommen, stieß Weil nicht nach.

Eine weitere Gelegenheit, McAllister in Bedrängnis zu bringen, verpasste Weil, indem er sie gar nicht ansprach. Kurz vor dem TV-Duell hatten SZ und NDR berichtet, das Land Niedersachsen habe sich unter der Führung von Christian Wulff bei der Privatisierung von Krankenhäusern verspekuliert und die Kliniken massiv unter Wert an private Investoren verkauft. Nun ermittelt der Landesrechnungshof, betroffen ist die Regierungszeit von 2005 bis 2007. Damals saß McAllister schon Jahre im Landtag und führte die CDU-Fraktion. Die Causa wäre eine Steilvorlage für den Herausforderer Weil gewesen, den Amtsinhaber festzunageln - doch Weil tat es nicht.

Und so blieb es der Abend der verpassten Chancen. Für den Kandidaten, der für seine Grünschnäbeligkeit bezahlte. Und für den Ministerpräsidenten, der ziemlich leicht als Sieger aus diesem Duell hätte hervorgehen können. Es aber nicht tat, weil er überzog.