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Türkei:Çavuşoğlu bemüht sich um Entspannung mit Deutschland

Turkish Minister of Foreign Affairs Mevlut Cavusoglu attends a news conference in Goslar

Mevlüt Çavuşoğlu bei seinem Besuch in Goslar vor wenigen Tagen

(Foto: REUTERS)
  • Nach erfolgreicher Regierungsbildung will der türkische Präsident Erdoğan Angela Merkel in die Türkei einladen. Das sagte der türkische Außenminister vor deutschen Journalisten.
  • Das Verhältnis zwischen beiden Ländern war zuletzt angespannt, nicht zuletzt wegen der Verhaftung des deutschen Journalisten Deniz Yücel.
  • Der Außenminister sagte, er könne dahingehend nicht in die Justiz eingreifen, hoffe aber auf eine schnelle Anklage.

Von Christiane Schlötzer, Antalya

Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte bald wieder eine Einladung in die Türkei bekommen. "Wenn es eine neue Regierung in Berlin gibt, dann wird Präsident Recep Tayyip Erdoğan Merkel einladen", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu jetzt in Antalya in einem Gespräch mit deutschen Journalisten. Auch Erdoğan könne dann wieder nach Deutschland kommen.

Die Türkei ist derzeit mit Nachdruck darum bemüht, die Beziehungen mit Deutschland wieder zu verbessern, nachdem diese zuletzt so schlecht waren nie zuvor. Vor allem die Verhaftung deutscher Staatsbürger in der Türkei, darunter der Journalist Deniz Yücel, hatten dazu beigetragen. Darauf folgten "verschärfte Reisehinweise" aus Berlin, türkische Politiker erhielten Auftrittsverbote in Deutschland. Jetzt lobte Çavuşoğlu Merkel als "die einzige politische Führerin in Europa".

Ankara sei bereit, auch die Beziehungen mit Wien zu verbessern

Sollte Erdoğan allerdings wieder nach Deutschland kommen, ist davon auszugehen, dass er erneut vor Türken sprechen will. Çavuşoğlu berichtete in diesem Zusammenhang, die neue österreichische Außenministerin Karin Kneissl habe ihn zu seiner eigenen Überraschung für den 25. Januar nach Wien eingeladen und angeboten, dass er dort "ohne jedes Hindernis" mit türkischen Landsleuten sprechen könne.

Kneissl, die von der rechten FPÖ nominiert wurde, habe ihm auch vorgeschlagen, bei seinem Besuch "etwas für das osmanische Erbe" in Österreich zu tun. Ankara sei bereit, auch mit Wien die Beziehungen wieder zu verbessern. Die Türkei hatte zuvor den Koalitionsvertrag von ÖVP und FPÖ heftig kritisiert, weil darin ein Abbruch der EU-Verhandlungen mit Ankara verlangt wird.

Viele deutsche Touristen waren der Türkei ferngeblieben

Erst am vergangenen Wochenende hatten sich Çavuşoğlu und Außenminister Sigmar Gabriel in Goslar getroffen. Wie bei diesem Gespräch verwies Çavuşoğlu auch am Mittwochabend in Antalya im Fall Deniz Yücel wieder auf die türkische Justiz, die nun rasch handeln müsse. Yücel sitzt seit fast einem Jahr ohne Anklage in türkischer Haft. "Ich habe kein Problem mit Deniz Yücel", sagt Çavuşoğlu. Er könne aber auch nicht in die Justiz eingreifen. Aber die Anklage sollte nun "so schnell wie möglich" vorgelegt werden. Dies kann man als Hinweis auf den Fall Peter Steudtner verstehen. Der deutsche Menschenrechtler saß ebenfalls in der Türkei ohne Anklage in Haft, bis er nach drei Monaten in einer eintägigen Gerichtsverhandlung auf freien Fuß gesetzt wurde und das Land verlassen konnte.

Auch das Gespräch mit Journalisten in Antalya gehörte wohl zur neuen türkischen Charme-Offensive. Viele deutsche Touristen waren der Türkei zuletzt ferngeblieben, nun sehen Tourismusveranstalter für 2018 wieder einen deutlichen Trend nach oben. Çavuşoğlu bestritt aber, dass die Wiederannäherung an Deutschland wirtschaftliche Gründe habe. Die Türkei habe sich "nie gebeugt", sagte er.

© SZ.de/csc/bepe/csi
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