Tschetschenischer Rebellen-Chef:Wankelmütiger Terrorfürst

Lesezeit: 2 min

Erst hü, dann hott: Russlands Staatsfeind Nummer eins, Doku Umarow, verwirrt Anhänger und Behörden gleichermaßen. Erst tritt der "Emir vom Kaukasus" zurück, um dann den Rücktritt vom Rücktritt bekanntzugeben.

Frank Nienhuysen

Er war entschlossen genug, in Moskau Dutzende Metro-Passagiere in den Tod zu schicken. Nun zeigt sich Doku Umarow als wankelmütiger Terrorfürst. Als ginge es um den Posten eines Innenministers oder eines langjährigen Nationaltrainers, hatte der bärtige Umarow am Montag seinen "Rücktritt" als "Emir vom Kaukasus" erklärt. Er wolle aus "gesundheitlichen Gründen" den Platz frei machen für einen jüngeren, "äußerst wagemutigen" Nachfolger, sagte er und stellte in einem Video Aslambek Wadalow auch gleich vor.

Russlands Terroristenchef bestimmt Nachfolger

Die Archivaufnahme von März 2010 zeigt Russlands Staatsfeind Nummer eins, Doku Umarow.

(Foto: dpa)

Dann aber nahm Umarow seine überraschende Entscheidung ebenso überraschend wieder zurück. Er wolle nun doch bleiben, angesichts der "komplizierten Lage im Kaukasus kann ich meine Befugnisse nicht abgeben". Und im Übrigen habe er auch keine Probleme mit der Gesundheit.

Der Tschetschene Umarow gilt als Russlands Staatsfeind Nummer eins. Zuletzt hatte er die Verantwortung für die beiden Selbstmordanschläge auf Moskauer U-Bahnen übernommen, bei denen Ende März 40 Menschen getötet wurden. Immer wieder waren Berichte lanciert worden, Umarow gehe es gesundheitlich schlecht. Mal sei er verletzt, mal vergiftet worden. Deshalb aber den jüngeren Wadalow ins Gefecht zu schicken und dies öffentlich zu erklären, wäre ein höchst ungewöhnliches Verfahren in der kaukasischen Terrorszene.

Es wurde deshalb gemutmaßt, dass die Festnahme des berüchtigten islamistischen Kämpfers Magas durch russische Sicherheitskräfte ein viel plausiblerer Grund dafür gewesen sein könnte. Magas kennt Umarow, sein Denken, seine Taktik, sein Umfeld. Außerdem gilt Umarow unter den Terroristen als umstritten, weil er auch die USA, Israel und Großbritannien als Feinde des Islam bezeichnet hatte und nicht Russland allein.

Warum aber sollte er es sich jetzt wieder anders überlegt haben? Der Politikwissenschaftler Abdullah Istamulow sagte der Zeitung Kommersant: "Umarows radikale Kampfgenossen haben ihm seinen Rücktritt einfach nicht erlaubt. Sie brauchen ihn wie eine Marke, damit sie bei den Sponsoren Geld bekommen. Niemand kennt Wadalow."

Dass Wadalow in der Szene unbekannt ist, dürfte übertrieben sein, denn er hat in beiden Kaukasuskriegen gegen Russland gekämpft und war nach russischen Medienberichten an diversen Anschlägen in Tschetschenien beteiligt. Die Moskauer Sicherheitsexperten befürchteten eine neue Terrorwelle, weil sich Wadalow nun wohl beweisen müsse, dass er auch auf russischem Kerngebiet zuschlagen kann.

Es spricht für die These Istamulows, Umarow habe auf Druck seine Entscheidung wieder rückgängig gemacht, dass beide Videobotschaften auf denselben Tag datiert sind, nämlich den 2. August. Für den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow macht es ohnehin keinen Unterschied, ob Umarow noch "Emir vom Kaukasus" ist oder künftig im Hintergrund bleibt. Es werde Zeit, hinter die Sache Umarow endlich einen Schlusspunkt zu setzen, sagte er: "Entweder er wird gefangen genommen oder vernichtet."

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