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Cohen über Trump:"Er ist ein Rassist. Er ist ein Betrüger"

  • Donald Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen belastet den US-Präsidenten in mehreren Punkten.
  • In einem Redemanuskript für seine Aussage heute vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses sagt Cohen, Trump habe von Absprachen seines Vertrauten Roger Stone mit Wikileaks gewusst.
  • Cohen erwähnt außerdem die Schweigegeld-Affäre um Stormy Daniels und ein möglicherweise illegales Treffen im Trump Tower.

Der ehemalige Anwalt von Donald Trump, Michael Cohen, will heute vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses Beweise für Fehlverhalten des Präsidenten vorlegen. Das geht aus einem Redemanuskript hervor, das die amerikanische Nachrichtenseite Politico an diesem Mittwoch veröffentlicht hat. Cohen will unter anderem einen Scheck vorlegen, mit dem Trump seinem Anwalt das Schweigegeld für die Porno-Darstellerin Stormy Daniels zurückgezahlt habe. Außerdem beschuldigt er Trump, dieser habe bereits vor der Veröffentlichung von Hillary Clintons E-Mails von solchen Plänen der Enthüllungsplattform Wikileaks gewusst.

"Ich schäme mich für meine Schwäche und meine fehlgeleitete Loyalität - für die Dinge, die ich für Mr. Trump getan habe, um ihn zu beschützen und zu fördern", schreibt Cohen in dem Statement. "Ich schäme mich, dass ich dazu beigetragen habe, Mr. Trumps unzulässige Taten zu verdecken, statt auf mein Gewissen zu hören." Ende 2018 wurde Cohen von einem New Yorker Gericht wegen Betrugs, Meineids und illegaler Wahlbeeinflussung verurteilt. Es wird damit gerechnet, dass er seine dreijährige Haftstrafe im Mai antritt. Cohen bekannte sich schuldig und arbeitet seitdem mit Sonderermittler Robert Mueller zusammen.

Über den US-Präsidenten sagt Cohen: "Er ist ein Rassist. Er ist ein Betrüger." Er erwähnt ein Telefonat zwischen Trump und dessen langjährigem Vertrauten Roger Stone im Juli 2016, das Cohen mitgehört habe. "Mr. Stone erzählte Mr. Trump, dass er gerade mit Julian Assange telefoniert habe und dass Mr. Assange Mr. Stone gesagt habe, in ein paar Tagen würde eine Masse an E-Mails veröffentlicht werden, die Hillary Clintons Wahlkampagne beschädigen würden." Trump habe geantwortet: "Wäre das nicht großartig."

Cohen erzählt außerdem von einem Gespräch zwischen Trump und dessen Sohn Donald Trump Junior. Letzterer soll sich im Juni 2016 im Trump Tower mit einem kreml-nahen Anwalt getroffen haben. Der Russe habe Trump Jr und anderen hochrangigen Mitgliedern der Wahlkampagne Informationen über Hillary Clinton angeboten. Falls das stimmt und Trump tatsächlich davon wusste, wie Cohen mit seiner Schilderung andeutet, könnte sich der US-Präsident illegaler Absprachen (englisch: Collusion) schuldig gemacht haben.

Cohen beschreibt: Donald Trump Jr habe sich zu seinem Vater gelehnt und ihm zugeflüstert: "Für das Treffen ist alles bereit." Der Präsident habe geantwortet: "Okay, gut... Sag mir Bescheid."

Als Beleg dafür, dass der Präsident ein Schwindler sei, will Cohen außerdem Drohbriefe vorlegen, die der Anwalt im Auftrag des Präsidenten an dessen Schule und Universität geschrieben habe, damit niemand Trumps Noten veröffentlicht.

Das Statement will Michael Cohen heute um 10 Uhr Ortszeit (16 Uhr deutsche Zeit) bei einer öffentlichen Befragung durch den Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses vortragen. Gestern wurde er bereits hinter verschlossenen Türen acht Stunden vom US-Kongress befragt. Er zeigte sich zufrieden: Er habe die Gelegenheit bekommen, Dinge geradezurücken und "die Wahrheit zu sagen", sagte er nach der Befragung.

Präsident Donald Trump widerspricht den Vorwürfen seines ehemaligen Anwalts. Er bezeichnete Cohen auf Twitter als "Ratte". Die Sprecherin des Weißen Hauses Sarah Huckabee Sanders sagte zu der Anhörung, es sei "traurig", dass Cohen eine weitere Gelegenheit bekomme, "seine Lügen zu verbreiten".

© SZ.de/bkm/csi

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