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Trittin und Roth zur Pädophilie-Debatte:Von Hohn und Scheinheiligkeit

Jürgen Trittin, Grüne, Pädophilie Debatte

Spitzenkandidat der Grünen in der Kritik: Jürgen Trittin bei einem Wahlkampfauftritt in Augsburg.

(Foto: dpa)

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat erneut Versäumnisse eingeräumt: Die frühere Position der Grünen zur Pädophilie müsse allen Opfern als Hohn erscheinen, sagte er. Grünen-Chefin Roth teilt gegen die Kritiker aus der Union aus.

In der Debatte um den Umgang mit Pädophilie in den Anfangsjahren der Grünen hat sich Spitzenkandidat Jürgen Trittin nochmals entschuldigt. "Wir Grünen, mich eingeschlossen mit der Verantwortung, haben in den frühen 80er Jahren eine Position vertreten zur Pädophilie, die muss allen Missbrauchsopfern als Hohn erscheinen. Und das ist ein Fehler gewesen", sagte Trittin am Dienstag in Augsburg bei der Abschlusskundgebung der bayerischen Grünen zur Bundestagswahl.

Die Grünen seien dann aber die ersten im Bundestag gewesen, die die Frage nach sexuellem Missbrauch in der Gesellschaft aufgeworfen hätten. "Und als Ausfluss dieser Debatte haben wir diese Position 1989 korrigiert", sagte Trittin. Seitdem sei völlig klar, dass jede Form von sexuellem Umgang mit Kindern Missbrauch sei. "Wir wissen auch, dass wir dafür zu lange gebraucht haben", räumte er ein.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl hatte ein Bericht den Spitzenkandidaten in Bedrängnis gebracht. Trittin habe 1981 presserechtlich das Kommunalwahlprogramm einer Liste in Göttingen verantwortet, das Sex zwischen Kindern und Erwachsenen unter bestimmten Bedingungen straffrei stellen wollte, schreibt der Politologe Franz Walter in einem Beitrag für die taz. Trittin hatte Walters Angaben betstätigt und sein Bedauern geäußert.

Grünen-Bundeschefin Claudia Roth warf mehreren Unions-Politikern in der Debatte Scheinheiligkeit vor. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt diskriminiere offen Schwule und Lesben und hetze gegen Flüchtlinge, meinte Roth.

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, habe zusammen mit Unionsfraktionschef Volker Kauder und dem heutigen CSU-Chef Horst Seehofer 1997 im Bundestag gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe gestimmt. "Von all denen müssen wir Grüne uns nicht sagen lassen, was Moral ist und was verantwortungsvolles Handeln ist", sagte Roth bei der Kundgebung in Augsburg.

© Süddeutsche.de/dpa/sana
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