Toter KSK-Soldat in Afghanistan Zweimal im Stich gelassen

Bei einem Gefecht mit afghanischen Rebellen starb ein KSK-Soldat. Dabei ergriffen einheimische Truppen zweimal die Flucht und ließen die Bundeswehrsoldaten zurück. Zwar kursiert in Berliner Sicherheitskreisen, der Tod des Deutschen habe damit nichts zu tun, von besonderer Bedeutung ist der Vorfall dennoch.

Von Christoph Hickmann, Bonn

Bei dem Feuergefecht, in dem Anfang Mai in Afghanistan ein deutscher Elitesoldat gefallen ist, sind beteiligte afghanische Sicherheitskräfte unkontrolliert geflohen. In deutschen Sicherheitskreisen wurde am Dienstag ein entsprechender Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigt, die sich auf die Unterrichtung eines kleinen Kreises von Bundestagsabgeordneten durch den Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, berief. Demnach traten die afghanischen Polizisten gleich zwei Mal die Flucht an, als sie gemeinsam mit deutschen Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) unter Beschuss gerieten.

Am Tag des Vorfalls befanden sich die KSK-Soldaten den Schilderungen der Sicherheitskreise zufolge gemeinsam mit Angehörigen einer frisch aufgestellten Spezialeinheit des afghanischen Innenministeriums am Rand eines Waldgebiets, in dem sich Aufständische aufhielten. Als sie unter Beschuss durch die Aufständischen geraten seien, hätten die Afghanen unkoordiniert und unter Abgabe von Schüssen die Flucht angetreten. Auch die Schilderung aus dem Zeitungsbericht, wonach die Afghanen teilweise bis zu 700 Meter weit geflüchtet seien, wurde in Sicherheitskreisen bestätigt.

Die deutschen Soldaten erwiderten demnach das Feuer und forderten Unterstützung aus der Luft an, woraufhin neben zwei deutschen Kampfhubschraubern auch amerikanische Kräfte eingegriffen haben sollen. Ein US-Kampfflugzeug bombardierte die Stelle, an der die Aufständischen vermutet wurden.

Einige Stunden später drangen die Soldaten und Polizisten den Schilderungen zufolge wieder in den Wald ein, um die Explosionsstelle zu untersuchen. Die Aufständischen hatten aber wiederum einen Hinterhalt gelegt und eröffneten das Feuer. Ein 32 Jahre alter Hauptfeldwebel der Bundeswehr wurde aus weniger als zehn Metern Entfernung von mehreren Kugeln tödlich getroffen, ein weiterer deutscher Soldat verwundet. Wieder ergriffen die Afghanen die Flucht, während die unverletzten KSK-Soldaten das Feuer erwiderten. Das Gefecht soll zwei Stunden gedauert haben.

"Auswirkungen auf die weitere Zusammenarbeit"

Der Vorfall ist von besonderer Bedeutung, weil die Planung des internationalen Afghanistan-Engagements darauf ausgerichtet ist, dass die afghanischen Sicherheitskräfte sich in naher Zukunft selbst helfen können. Bereits jetzt sollen sie weitgehend selbständig agieren und von Soldaten der internationalen Isaf-Mission lediglich teilweise begleitet werden. Ende 2014 endet die Mission, danach soll nur noch Ausbildung stattfinden. Der Rückzug hat bereits begonnen, gleichzeitig gibt es seit Ende April wieder vermehrt Anschläge und Angriffe der Aufständischen.

"Das Ganze wird Auswirkungen auf die weitere Zusammenarbeit und die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte haben", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. In Berliner Sicherheitskreisen kursierte die Feststellung, dass es sich bei der geflüchteten Einheit um Kräfte gehandelt habe, die noch in der Ausbildung gewesen seien. Zudem wurde Wert auf die Feststellung gelegt, die Flucht sei nicht Ursache für den Tod des deutschen Soldaten gewesen.