Afghanistan:Taliban schließen Studentinnen von Universitäten aus

Afghanistan: Ein Talibankämpfer vor einer Schule in Kabul, nachdem es auf das Gebäude einen Anschlag gegeben hatte (Archivbild von April 2022)

Ein Talibankämpfer vor einer Schule in Kabul, nachdem es auf das Gebäude einen Anschlag gegeben hatte (Archivbild von April 2022)

(Foto: Ebrahim Noroozi/AP)

Die Herrscher in Kabul entziehen den Frauen im Land weitere Rechte. Eine Begründung gibt es nicht.

Die islamistischen Taliban haben in Afghanistan Frauenrechte erneut drastisch beschnitten: Frauen dürfen ab sofort keine Universitäten mehr besuchen. In einer Regierungserklärung wurden alle privaten und öffentlichen Universitäten angewiesen, das Bildungsverbot bis auf weiteres durchzusetzen. Die Mitteilung wurde vom Ministerium für Höhere Bildung am Dienstag geteilt und lag der Deutschen Presse-Agentur vor. Unterzeichnet wurde die Erklärung vom amtierenden Minister Scheich Neda Mohammed Nadim. Eine Begründung gab es nicht. Der Minister soll dem Taliban-Führer Haibatullah Achundsada nahestehen.

Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 haben die Islamisten Frauenrechte massiv eingeschränkt. Mädchen und Frauen sind vom öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen. Auch weiterführende Schulen ab der siebten Klasse sind für Mädchen seit dem Machtwechsel geschlossen. In dem Land ist Frauen seit Kurzem sogar der Besuch in öffentlichen Parks und Fitnessstudios untersagt.

Nur wenige Stunden vor der Ankündigung beklagte die neue UN-Sondergesandte für Afghanistan, Rosa Otunbajewa, eine Verschärfung des Taliban-Regierungskurses bei einer Rede in New York. "Wir haben eine Reihe von Einschränkungen erlebt, die besonders für Frauen schädlich sind", sagte Otunbajewa. "Ihr sozialer Raum wird nun ebenso eingeschränkt wie ihr politischer Raum."

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) nannte das Verbot eine "beschämende Entscheidung". Die Taliban machten jeden Tag deutlich, dass sie die Grundrechte der Afghanen, insbesondere der Frauen, nicht respektierten, schrieb HRW auf Twitter. Die US-Regierung drohte den Islamisten mit Konsequenzen. Die "unerwartete, inakzeptable Haltung" werde erhebliche Folgen für die Taliban haben, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price.

Es gibt immer wieder internationale Kritik an der Politik der Taliban. Dennoch hält die Gruppe trotz interner Meinungsverschiedenheiten an ihrem Kurs fest. Dabei hatten die Islamisten noch vor ihren militärischen Erfolgen im vergangenen Jahr, die schließlich zum Sturz der vom Westen gestützten Republik unter dem Präsidenten Aschraf Ghani führten, einen moderaten Kurs versprochen. Einige Experten warnten jedoch früh vor diesen Ankündigungen.

Die Taliban haben seit ihrer Machtübernahme im August 2021 neben Frauen- auch Freiheits- und Medienrechte eingeschränkt. Beobachter werfen ihnen zudem gezielte Racheaktionen und Tötungen unbequemer Kritiker vor. Die humanitäre Lage im Land hat sich massiv verschlechtert. Millionen Menschen sind auf Unterstützung und Lebensmittelhilfen angewiesen. In dem Land gibt es zudem weiter regelmäßig Terroranschläge, die oft die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusAfghanistan
:Abschiebung auf Bestellung

Obwohl die Sicherheitslage in Kabul da schon miserabel war, wollte Österreichs heutiger Kanzler Nehammer im Sommer 2021 unbedingt noch Afghanen abschieben - und hatte eine brisante Bitte an Deutschlands Innenminister Seehofer.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: