Die "Straße des Todes" wiederbeleben

Abdulhadi Soufan, 40, aus Syrien, seit 2015 in Deutschland:

"Es ist gegen jede Logik, dass ich noch lebe. Einmal explodierte eine Granate in einem Zimmer, das ich Sekunden zuvor verlassen hatte. Das war in der Hauptstraße von Homs, auch 'Todesstraße' genannt. Bis Ende 2014 habe ich dort mit meiner Großmutter ausgeharrt. Ich schwor Gott: Wenn ich das überlebe, werde ich den Rest meines Lebens damit verbringen, Sinnvolles zu tun. Also habe ich 'Reviving Home' gegründet. Mein Ziel ist es, Menschen zu helfen, ihre zerstörte Heimat wiederaufzubauen. Angefangen habe ich in meiner eigenen Straße in Homs. Der erste Laden, der wiedereröffnete, war ein Falafel-Restaurant. Ich habe Fotos auf Facebook gepostet, um anderen Mut zu machen, ebenfalls zurückzukehren. Es dauerte nicht lange, bis mein Name auf Todeslisten stand.

Mit einem Studentenvisum kam ich nach Halle an der Saale. Doch ich war zu bedrückt, um studieren zu können. Im Internet fand ich Workshops für Gründer und baute mir ein Netzwerk von Unterstützern auf. Ich gab das Studium auf, zog nach Berlin, beantragte Asyl und machte mich selbständig. Über Facebook-Gruppen bringe ich Menschen zusammen: Ich betreue Nachbarschaften, verbinde Eigentümer mit Bauexperten und Handwerkern in Syrien und sammle Spenden. Ich habe sieben Angestellte, dazu Freiberufler. Um 'Reviving Home' zu finanzieren, habe ich noch ein zweites Unternehmen: Ich helfe Studenten aus dem Ausland, ein Visum für Deutschland zu bekommen. Wenn ich einen Tag nicht arbeite, fühle ich mich schuldig. Es gibt so viele Menschen, die meine Hilfe brauchen. Ich lebe in Berlin, aber mein Kopf ist in Homs."

Bild: Corinna Guthknecht 5. Dezember 2018, 14:172018-12-05 14:17:26 © Süddeutsche Zeitung/bepe