Russlands Rolle im Syrienkrieg Wer keine Konsequenzen folgen lässt, verliert seine Glaubwürdigkeit

Als Obama nach dem Giftgaseinsatz bei Damaskus im Sommer 2013 bereit war, den syrischen Diktator mit Gewalt zu stürzen, hatten die Opferzahlen des Bürgerkrieges gerade die Schwelle von 100 000 überschritten. Eine Blitzinitiative des russischen Außenministers Sergej Lawrow zur Vernichtung der Chemiewaffen wendete den Einsatz im letzten Moment ab - und befreite Obama von der Last der Entscheidung. Seitdem starben in Syrien weitere 200 000 Menschen.

Das Muster hat sich seither wiederholt: Washington zieht rote Linien, Assad überschreitet sie - und eine neue Verhandlungsrunde mit Moskau beginnt. Schlimmer als nachzugeben ist nur, Konsequenzen androhen und dann nichts tun. Wer nachgibt verliert einmal. Wer droht, und dann keine Konsequenzen folgen lässt, verliert auch beim nächsten und übernächsten Mal, weil er seine eigene Glaubwürdigkeit preisgibt.

Der Westen versucht, goldene Brücken zu bauen

In der Ukraine hat Putin mit dem gleichen Vorgehen Erfolg: Eins ums andere Mal verletzt die von Moskau unterstützte Kriegspartei die Vereinbarungen für Waffenruhen und Abzug. Doch auf Moskau fällt kein Schatten, es hat ja angeblich nur bedingt Einfluss auf die Kriegspartei. Und eins ums andere Mal macht der Westen neue Angebote, versucht zu locken und goldene Brücken zu bauen.

Putin kann als Vermittler und Terrorbekämpfer dastehen - kein Frieden ohne Russland - und gleichzeitig von dem Druck profitieren, den die Attacken der verbündeten Kriegspartei entfalten. Belohnt wird das mit immer neuen Angeboten zur Zusammenarbeit. Wer würde ein so wirksames Spiel ohne Not aufgeben?