Syrien Anti-IS-Koalition eröffnet die "letzte Schlacht"

Das kurdisch-arabische Bündnis startet am Wochenende eine Offensive gegen die verbliebene Bastion der Terrormiliz Islamischer Staat im Osten des Landes.

Von Dunja Ramadan

Noch vor wenigen Tagen verkündete US-Präsident Donald Trump, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) werde schon bald vollständig aus der Region vertrieben werden. Nun starteten am Samstagabend die von den USA unterstützten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) eine Militäroffensive im Osten des Landes. SDF-Sprecher Mustafa Bali sprach auf Twitter von "heftigen Kämpfen." Das Ziel der "letzten Schlacht" sei es, die "verbliebenen Reste der Terrororganisation zu eliminieren", so Bali. Zuvor habe man mehr als 20 000 Zivilisten aus IS-Gebieten in der östlichen Provinz Deir ez-Zor in Sicherheit gebracht. Die von der Kurdenmiliz YPG angeführten SDF kämpfen gegen den IS, der seine letzten Gebiete in Syrien und im Irak verteidigt.

Die Kämpfe konzentrieren sich auf das Dorf Al-Baghuz Fawqani, direkt am Euphrat und nahe der irakischen Grenze gelegen. Kampfjets der von den USA angeführten internationalen Anti-IS-Koalition unterstützen die Angriffe aus der Luft. Noch etwa 1500 Zivilisten und 500 IS-Kämpfer sollen sich in dem umkämpften Dorf befinden, berichtete ein CNN-Reporter vor Ort unter Berufung auf SDF-Offiziere. Die IS-Kämpfer missbrauchen Zivilisten häufig als menschliche Schutzschilde - bei der Schlacht um Baghuz sind nun Hunderte Familien in Gefahr, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mitteilte. Weitverzweigte Tunnelsysteme ermöglichen es den Dschihadisten außerdem, unbemerkt Kämpfer zu verlegen und Frontlinien zu umgehen - ähnlich wie 2016 und 2017 in der Schlacht um Mossul. Diese Strategie stelle eine echte Herausforderung für die Bodenoffensive der SDF-Truppen dar, sagten deren Kommandeure dem CNN. Auch vermuten sie, dass sich in Baghuz die erfahrensten IS-Kämpfer sowie ausländische Anführer aufhalten.

Ein Sieg in Baghuz würde auch die Pläne von US-Präsident Trump erleichtern

In den vergangenen Wochen sind nach UN-Angaben mehr als 25 000 Menschen aus der Provinz Deir ez-Zor geflohen. Die meisten von ihnen seien Frauen, Kinder und Ältere, meldete das UN-Koordinierungsbüro Ocha. Viele sind nach UN-Angaben zu Fuß geflohen, hätten bei Kälte und Regen in der syrischen Wüste übernachtet und seien völlig erschöpft. Mindestens 35 Kinder seien wegen der extrem harten Bedingungen auf der Flucht gestorben.

Ein Sieg über die Terrormiliz in Baghuz würde auch die Pläne von US-Präsident Trump erleichtern, 2000 amerikanische Soldaten aus Syrien abzuziehen. Kurz vor Heiligabend hatte Trumps Ankündigung international massive Kritik ausgelöst. Militär und Beobachter warnen, der IS sei trotz der Gebietsverluste noch nicht besiegt und könne wieder erstarken. In einem kürzlich vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichten Bericht heißt es, der IS könne in sechs bis zwölf Monaten wieder aufleben. Einen offiziellen Zeitplan für den Abzug hat Trump bislang nicht vorgelegt. Das Wall Street Journal berichtete am vergangenen Donnerstag, der Abzug solle Ende April abgeschlossen sein.

Ein Abzug der US-Truppen könnte die Kräfteverhältnisse in der Region nachhaltig verändern. So droht die Türkei seit Wochen, gegen die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens vorzugehen, wenn die USA der Forderung nach einer Pufferzone entlang der türkisch-syrischen Grenze nicht nachkomme. Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und hat sie als Terrororganisation eingestuft.