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Südafrika:Johannesburg als "Kriegsgebiet"

Plünderungen und Brandschatzungen: In Johannesburg tobt die Gewalt.

(Foto: Michele Spatari/AFP)

Attacken auf Läden und Geschäfte: In Südafrika gibt es schwere Übergriffe gegen Ausländer. Drei Menschen sollen getötet worden sein.

In Südafrika ist es am Dienstag erneut zu schweren ausländerfeindlichen Krawallen gekommen. In mehreren Stadtteilen von Johannesburg und Pretoria wurden Migranten aus anderen afrikanischen Ländern angegriffen, ihre Läden und Geschäfte verwüstet. Polizeiminister Bheki Cele sprach von einem "nationalen Notstand". Die Gewalttaten hatten am Sonntag begonnen und sich rasch ausgebreitet; Augenzeugen sprachen davon, dass sich die Innenstadt von Johannesburg in ein "Kriegsgebiet" verwandelt habe: Taxis wurden mit Steinen beworfen, Hunderte Geschäfte geplündert und mehrere Gebäude angezündet, drei Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein.

Nigeria verlangt den Schutz seiner Bürger

Zeugen berichteten, dass viele der Täter während der Ausschreitungen "Sie müssen verschwinden - wir haben genug" gerufen hätten. In Johannesburg gibt es eine große afrikanische Diaspora, die Angriffe richteten sich gegen Einwanderer aus Nigeria, Somalia, Sambia, der Demokratischen Republik Kongo und weiteren Staaten. Mehrere afrikanische Regierungen verurteilten die Ausschreitungen, Nigeria rief die Regierung in Pretoria dazu auf, seine Bürger zu beschützen und bestellte den südafrikanischen Botschafter ein.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 100 Personen fest genommen. Johannesburgs Bürgermeister Herman Mashaba forderte am Dienstag den Einsatz der Armee, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

In Südafrika ist es in den vergangenen Jahren wiederholt zu extremer Gewalt gegen Ausländer gekommen. Offizielle Statistiken führt das Land nicht, Bürgerrechtsorganisationen gehen von mehreren Hundert Toten seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 aus. Etwa ein Zehntel der 57 Millionen Einwohner sind Migranten, die immer wieder zum Ziel von Gewalt werden. Führende Politiker und der Zulu-König Goodwill Zwelithini machen regelmäßig Stimmung gegen Ausländer, die sie für viele der Probleme des Landes verantwortlich machen, darunter eine Arbeitslosenquote von etwa 30 Prozent. Der Zulu-König sagte bereits 2016, die "Ausländer sollen ihre Sachen packen und gehen". Auch der Bürgermeister von Johannesburg hatte in den vergangenen Monaten Migranten immer wieder mit "Kriminellen" und "Fäulnis" gleich gesetzt, die es zu bekämpfen gelte.

Die südafrikanische Bürgerrechtsorganisation Right2know rief am Dienstag Präsident Cyril Ramaphosa auf, die Gewalt zu beenden. "Südafrikaner zeigen heute den selben Hass, den wir selbst vor nicht allzu langer Zeit erfahren haben." Die jüngsten Attacken auf Nicht-Südafrikaner können direkt auf die Aufrufe von Politikern zurück geführt werden und bestätigen einen beunruhigenden Trend des "xenophoben Populismus".