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Stuttgart 21:Geißler mahnt zur Geduld

In den Gesprächen zum Bahnhofsneubau Stuttgart 21 zeigen sich Befürworter und Gegner unversöhnlich. Wie ein Schlichtungsergebnis letzlich aussehen sollen, ist rätselhaft. Schlichter Geißler meint unverdrossen: "Noch nicht ist aller Tage Abend".

Dagmar Deckstein

Auch in der dritten Schlichtungsrunde zum umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 platzte dem Vermittler Heiner Geißler zwischenzeitlich wieder der Kragen. "Ich muss unbedingt darauf bestehen, dass die Sachverständigen ihre Ausführungen so formulieren, dass es der normale Mensch verstehen kann."

Schlichter Heiner Geissler

Knifflige Mission: Schlichter Heiner Geissler

(Foto: dapd)

Doch selbst bei übersetztem bahntechnischem Fachchinesisch kamen sich die Gegner und Befürworter keinen Deut näher in ihren gegensätzlichen Standpunkten. Wie schon am vergangenen Freitag stand die Neubautrasse Wendlingen-Ulm zur Debatte, ein Teilstück der sogenannten europäischen Bahn-Magistrale zwischen Paris und Budapest.

Während sie Bahn-Vorstandsmitglied Volker Kefer als "unverzichtbar" für die Verkürzung von Reisezeiten auf bestimmten Streckenabschnitten bezeichnete, hielt ihm Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann entgegen, die Kosten stünden in keiner Relation zum Nutzen.

Zwar hätten sich die Grünen anfangs durchaus für die Neubaustrecke stark gemacht, aber angesichts der zu erwartenden Verteuerung des Projekts über die zuletzt errechneten 2,9 Milliarden Euro hinaus sei es nicht mehr vertretbar. Außerdem tauge die Schnellstrecke nicht für den Güterverkehr. Für die Wirtschaftlichkeit der Strecke, so Kefer, sei die Debatte um die europäische Magistrale allerdings "völlig irrelevant". Zumal ohnehin kaum ein Mensch, wie von den Gegnern immer eingewandt, die ganze Strecke Paris-Budapest fahre.

Der heftige und unversöhnliche Schlagabtausch um die von Geißler so bezeichnete "galaktische Magistrale" setzte sich am Nachmittag fort, als das von den Gegnern favorisierte Modell "K21" zur Debatte stand, der Erhalt und die Renovierung des bestehenden Kopfbahnhofs.

Während die Befürworter von Stuttgart 21 den Gegnern vorhielten, sie hätten keinerlei konkrete Alternative vorzuweisen, konterte Stadtrat Hannes Rockenbauch, es sei schließlich Sache der Bahn, solch einen Plan B bereitzuhalten.

Wie angesichts der nach wie vor verhärteten Fronten ein Schlichtungsergebnis nach noch fünf weiteren geplanten Gesprächsrunden aussehen könnte, blieb auch nach Sitzung Nummer drei rätselhaft. Geißler allerdings warnte vor voreiligen Bewertungen: "Noch ist nicht aller Tage Abend", sagte er. Ein Resümee werde am Ende gezogen.

© SZ vom 05.11.2010/odg
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