SPD Zweite Chance für Hubertus Heil

Hubertus Heil, 44, war bereits einmal Generalsekretär der SPD: Vier Jahre lang hatte er das Amt von 2005 bis 2009 unter den Parteichefs Matthias Platzeck und Kurt Beck inne.

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Der Wirtschaftspolitiker war schon einmal Generalsekretär der Sozialdemokraten. Dass er damals glücklos blieb, war vor allem den Umständen geschuldet.

Von Nico Fried, Berlin

Er hatte sichtlich Freude daran, wieder näher an der Macht zu sein. Nicht an der Macht im Land, aber doch in der SPD. Hubertus Heil, formal Fraktionsvize, berät den Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz schon seit einigen Wochen in Wirtschaftsfragen und begleitete ihn zu entsprechenden Terminen. Stets nah am Mann war Heil zu sehen, eben da, wo man auch mal mit ins Bild kommt.

Hubertus Heil hat lange auf eine zweite Chance gewartet. Jetzt bekommt er sie - und das in dem Amt, in dem er die erste Chance nicht nutzen konnte: Als Generalsekretär kehrt Heil zurück ins Willy-Brandt-Haus. In die Parteizentrale hatte ihn 2005 der SPD-Chef Matthias Platzeck schon einmal geholt. Die Entscheidung damals kam für Heil so überraschend, dass er gegenüber Journalisten kaum so viele Worte rausbrachte, wie er im selben Zeitraum Zigaretten wegzog. Die Aufregung war bis zum Parteitag nicht verflogen: Heil hielt eine denkwürdig schlechte Rede und fuhr mit 61,7 Prozent ein ebenso denkwürdig mieses Ergebnis ein.

Schnell im Kopf, schlagfertig, ein pragmatischer Sozialdemokrat

Hubertus Heil ist schnell im Kopf, schlagfertig, ein pragmatischer Sozialdemokrat, mittlerweile ein guter Redner und ein glänzender Stimmenimitator. Er hat sich als Wirtschaftspolitiker einen ordentlichen Ruf erarbeitet und seinen Wahlkreis Gifhorn-Peine seit 1998 jedesmal direkt gewonnen. Dass er als Generalsekretär glücklos blieb, war vor allem den Umständen geschuldet: Der moderne Parteichef Platzeck trat zurück, Kurt Beck kam, führte die SPD eher traditionalistisch und brach mit der Agenda 2010, die Heil einst verteidigt hatte. Ein Generalsekretär aber muss loyal sein: Heil ging Becks Kurs bis zur Selbstverleugnung mit, am Ende scheiterten beide.

Seine niedersächsische Herkunft machte Heil den politischen Wiederaufstieg nicht leichter: In Sigmar Gabriel und Thomas Oppermann verstopfen seit Jahren zwei Männer aus Niedersachsen den Flaschenhals zur Macht. Heil liebäugelte mit einem Rückzug in die Landespolitik und blieb dann doch. Nach Gabriels Wechsel ins Auswärtige Amt wäre Heil ein möglicher Nachfolger im Wirtschaftsministerium gewesen - und wurde wieder nichts.

Nun übernimmt er neben Kampagnenchef Markus Engels Verantwortung für den Schulz-Wahlkampf. Immerhin ist jetzt überhaupt mal jemand an führender Stelle in der SPD, der Erfahrung mit einem Bundestagswahlkampf hat. Auch wenn es bei Heil der von 2009 war. An dessen Ende landete die SPD bei 23 Prozent.

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