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Spanien:Die Auslandsverbindungen der Terroristen von Barcelona

Offenbar sollten die Anschläge noch verheerender werden. Blumen für die Todesopfer an der Rambla.

(Foto: AP)
  • Die Terrorzelle von Barcelona hatte offenbar Verbindungen ins Ausland.
  • So soll der Kopf der Gruppe, der Imam Satty, mehrfach die Salafistenhochburg Vilvoorde nördlich von Brüssel besucht haben.
  • Die belgischen Behörden hatten die spanische Polizei im vergangenen Jahr vor ihm gewarnt, doch die Hinweise wurden offenbar nicht ernst genommen.

Von Thomas Urban, Madrid

Nach den Anschlägen von Barcelona hat die spanische Polizei in den Trümmern des Hauses der Terrorzelle mehrere Flugtickets entdeckt, die auf Beziehungen der Gruppe ins Ausland hindeuten. In dem Haus in Alcanar südlich von Barcelona, das kurz vor den Anschlägen explodiert war, seien unter anderem Flugscheine nach Brüssel auf den Namen des Imams Abdelbaki Es Satty gefunden worden, berichteten Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise. Er soll Kopf der Zelle gewesen sein.

Die belgischen Behörden hatten im vergangenen Jahr die spanische Polizei vor dem Prediger gewarnt, berichteten Medien. Er soll regelmäßig die Salafistenhochburg Vilvoorde nördlich von Brüssel besucht haben, doch wurden in Madrid diese Hinweise offenbar nicht ernst genug genommen. Der aus Marokko stammende Imam war kurz vor dem Anschlag beim Bombenbasteln umgekommen.

In der Bombenwerkstatt in Alcanar wurden 500 Liter Aceton, mehr als hundert Flaschen Butangas, Wasserstoffperoxid, Natron, Zünder und Nägel gefunden, die in Nagelbomben hätten eingebaut werden können. Mit den Chemikalien wäre die Produktion des Sprengstoffs TATP möglich gewesen. Auch ein echter Sprengstoffgürtel wurde entdeckt. Die getöteten Mitglieder der Zelle hatten nur Attrappen getragen.

Die Gruppe hatte Bombenanschläge auf Sehenswürdigkeiten in Barcelona geplant

Von den zwölf mutmaßlichen Terroristen sind acht tot. Vier wurden festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Madrid gab bekannt, dass einem von ihnen die Zugehörigkeit zu der Gruppe nicht nachgewiesen werden konnte. Er kam auf freien Fuß. Die anderen Verdächtigen gaben nach Informationen spanischer Medien dafür Hinweise, die zur Festnahme von drei Personen in Marokko führten. Einer der Festgenommenen soll in dem katalanischen Städtchen Ripoll für eine Firma, die Gasflaschen vertreibt, gearbeitet haben.

Der Terrorverdächtige Mohamed Houli Chemlal gestand, dass die Gruppe Bombenanschläge "größeren Ausmaßes" auf Sehenswürdigkeiten in Barcelona geplant habe. Die katalanische Polizei verstärkte deshalb die Sicherheitsvorkehrungen und fahndet nach weiteren Hintermännern.

Der Name des späteren Imams Satty wurde erstmals 2006 von den Sicherheitsbehörden registriert, damals war eine Islamistengruppe in zwei Vororten von Barcelona ausgehoben worden. Doch konnte ihm keine Beteiligung an Straftaten nachgewiesen werden. Ins Visier der Behörden geriet er das nächste Mal 2010, als er eine größere Menge Haschisch in die Hafenstadt Ceuta schmuggeln wollte. Eigentlich hätte er nach Verbüßung einer Haft 2014 abgeschoben werden müssen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, verwarf allerdings das zuständige Gericht seine Einstufung als Gefährder. Er wurde Prediger. Der Vorstand der islamischen Gemeinde von Ripoll will nichts von seinen radikalen Ansichten bemerkt haben, obwohl er dort zum "heiligen Krieg" um Andalusien aufgerufen haben soll.

In Barcelona wurden an Plätzen sowie an den Zugängen zu den Bahnhöfen Poller angebracht. Weil dies vor den Anschlägen versäumt worden war, musste Bürgermeisterin Ada Colau sich allerhand Vorwürfe anhören.

© SZ vom 24.08.2017/jly
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