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Sipri-Institut:Globale Militärausgaben steigen auf Höchststand

Exportgenehmigungen für deutsche Rüstungsgüter sinken weiter

Bei den Rüstungsausgaben belegt Deutschland den siebten Platz (Archivbild).

(Foto: Philipp Schulze/dpa)

Fast zwei Billionen Dollar sind 2020 für die Streitkräfte aufgewendet worden. Dabei sind allein fünf Länder für 62 Prozent der Gesamtausgaben verantwortlich.

Die globalen Militärausgaben haben nach Berechnungen von Friedensforschern einen neuen Höchststand erreicht. Die Staaten weltweit zahlten im vergangenen Jahr insgesamt 1981 Milliarden US-Dollar (etwa 1644 Milliarden Euro) für ihre Streitkräfte, wie das schwedische Sipri-Institut am Montag in Stockholm mitteilte. Das sei ein Anstieg von 2,6 Prozent im Vergleich zu 2019. Am stärksten haben die USA, China, Indien, Russland und Großbritannien ihre Aufwendungen gesteigert. Zusammen stehen die fünf Länder für 62 Prozent der globalen Militärausgaben. Deutschland belegt Platz sieben hinter Saudi-Arabien.

Laut Sipri entsprach die Gesamtsumme der Militärausgaben im vergangenen Jahr einem Anteil von 2,4 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Verglichen mit 2019 war das ein Plus von 0,2 Prozentpunkten und zugleich der größte Zuwachs binnen eines Jahres seit der weltweiten Finanzkrise 2009. Diesen prozentualen Anstieg erklärt das Sipri-Institut größtenteils damit, dass die meisten Länder wegen der Pandemie einen ökonomischen Abschwung erlitten hätten.

Der neuerliche weltweite Anstieg erfolgte zur gleichen Zeit, in der das weltweite Bruttoinlandsprodukt insbesondere wegen der Covid-19-Pandemie um 4,4 Prozent sank. Im vergangenen Jahr waren die Friedensforscher eigentlich davon ausgegangen, dass angesichts der Corona-Krise vorerst ein Höchststand bei den weltweiten Militärausgaben erreicht ist. Diese Erwartung erwies sich als falsch, die Zahlen stiegen erneut.

"Wir können mit einiger Sicherheit sagen, dass die Pandemie keinen signifikanten Einfluss auf die globalen Militärausgaben 2020 hatte", erklärte Sipri-Forscher Diego Lopes da Silva. Nun müsse sich zeigen, ob die Länder dieses Ausgabenniveau auch im zweiten Pandemiejahr aufrechterhalten würden.

Seine Sipri-Kollegin Alexandra Marksteiner sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Es ist 2021, wir sind also nur ein Jahr vom Beginn der Pandemie entfernt. Es könnte eine Verzögerung geben, von der wir einfach noch nichts wissen." Zudem wies Sipri darauf hin, dass die jährlich veröffentlichten Schätzungen diesmal coronabedingt mit einer größeren Unsicherheit behaftet seien als sonst. Den gesamten Einfluss der Pandemie werde man abschließend erst in einigen Jahren sehen.

Die USA blieben mit deutlichem Abstand das Land mit dem größten Budget für das Militär. Demnach stiegen die US-Ausgaben im vergangenen Jahr auf 778 Milliarden Dollar. Das war ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber 2019 und entspricht einem Weltanteil von 39 Prozent. Das Geld floss vor allem in die militärische Forschung sowie in Langzeitprojekte zur Modernisierung von Atomwaffenarsenalen und groß angelegten Waffenkäufen. Ein Grund sei wachsende Besorgnis über empfundene Bedrohungen durch strategische Konkurrenten wie China und Russland, erklärte Sipri-Forscherin Marksteiner.

Auf Platz zwei liegt China, das vergangenes Jahr geschätzte 252 Milliarden US-Dollar für das Militär ausgab. Gegenüber 2019 (etwa 240 Milliarden US-Dollar) war das ein Plus von 1,9 Prozent. Damit wuchsen Pekings Militärausgaben das 26. Jahr in Folge.

Dahinter folgt Indien, das seine Ausgaben für das Militär um 2,1 Prozent auf knapp 73 Milliarden US-Dollar steigerte. Die Ausgaben Russlands (Platz vier) wuchsen um 2,5 Prozent auf 61,7 Milliarden Dollar. Großbritannien (Platz fünf) zahlte im vergangenen Jahr 59,2 Milliarden Dollar. Das waren 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr, aber 4,2 Prozent weniger als 2011. Deutschland (Rang sieben) gab 52,8 Milliarden Dollar (ungefähr 44 Milliarden Euro) für das Militär aus, ein Plus von 5,2 Prozent. Das entspricht dem größten prozentualen Anstieg aller Top-Ten-Staaten. Gegenüber 2011 war das ein Zuwachs von 28 Prozent.

Das Nato-Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Militär aufzuwenden, verpasst Deutschland wie andere Staaten des Bündnisses weiter klar: Die Nato sah die Bundesrepublik 2020 bei 1,56 Prozent, Sipri nun bei 1,4 Prozent. Generell erreichen diesmal laut Sipri zwölf statt wie zuvor neun Nato-Staaten ihr Zwei-Prozent-Ziel - dies lasse sich aber vermutlich eher auf den coronabedingten wirtschaftlichen Abschwung als auch bewusste Entscheidungen zurückführen, beurteilte Lopes da Silva. Weltweit stieg der Anteil der Militärausgaben am BIP um 0,2 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent.

© SZ/epd/dpa/saul/aner/kast
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