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Religion:Seehofer: Islamkonferenz trägt Früchte

"Wir lassen uns durch Terrorismus und Extremismus nicht aus der Bahn bringen", sagt der Bundesinnenminister. Thema des Treffens ist die Frage, wer in deutschen Moscheen in welcher Sprache predigen soll.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Islamkonferenzen verteidigt. Die Situation in Deutschland sei dank dieser Einrichtung "wesentlich entspannter" als noch vor Jahren, sagte Seehofer am Dienstag in Berlin vor Beginn der diesjährigen Aussprache. "Das heißt, diese Arbeit trägt ihre Früchte." Die jüngste Serie islamistischer Attentate in Europa behindert nach Ansicht des Ministers die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und muslimischen Vereinigungen in Deutschland nicht. Bereits begonnene Projekte würden fortgesetzt. "Wir lassen uns durch Terrorismus und Extremismus nicht aus der Bahn bringen." Dass nicht alle immer sofort dabei seien und andere Wege gehen wollten, "muss man akzeptieren in einer pluralistischen Gesellschaft".

Die Deutsche Islamkonferenz beschäftigt sich in diesem Jahr mit der Frage, wer in deutschen Moscheen in welcher Sprache predigen soll. Wegen der Corona-Pandemie findet sie als Videokonferenz statt.

Eine Ausbildung von Imamen in Deutschland sei "ein Beitrag zur Prävention", sagte Seehofer. Das in Osnabrück an den Start gehende Islamkolleg sei ein "wesentlicher Schritt". Von April 2021 an sollen in Osnabrück jährlich 20 bis 30 muslimische Geistliche, Seelsorger und Gemeindebetreuer für den praktischen Dienst in Moscheegemeinden in ganz Deutschland ausgebildet werden. Voraussetzung ist ein Bachelor-Abschluss in islamischer Theologie. Der Lehrgang wird vom Innenministerium als Projekt mit nicht ganz einer Million Euro gefördert. Seehofer sprach von "gut angelegtem Geld für den gesellschaftlichen Zusammenhalt".

Entscheidend sei, dass die dort ausgebildeten Geistlichen anschließend auch tatsächlich in den Moscheegemeinden als Prediger eingesetzt würden, sagte der CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries. Denn es sei "fundamental wichtig", dass die islamischen Religionsgemeinschaften hierzulande organisatorisch, finanziell und personell nicht von ausländischen Regierungen abhängig seien.

Nach Ansicht des innenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, kommt es darauf an, "dass wir Glaubenslehrer in unserem Land haben, die in Deutschland sozialisiert sind, die unsere Sprache sprechen und unsere Werte, also unser Verständnis von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit, teilen." Der Osnabrücker Lehrgang sei daher eine wichtige Initiative.

Bei dem vom türkischen Dachverband Ditib Anfang des Jahres gestarteten Ausbildungsprogramm für Imame müsse sich dagegen erst noch zeigen, "ob die Dienstaufsicht künftig bei Ditib und nicht der türkischen Botschaft und den Generalkonsulaten liegen wird und ob die Gemeinden wirklich bereit sein werden, für das eigene Personal selbst finanziell aufzukommen". Middelberg sagte, die Ditib habe viel Vertrauen verspielt - dieses gelte es jetzt zurückzugewinnen. Bisher werden die Imame für die Ditib-Moscheen aus der Türkei entsandt.

Mazyek: Aufklärung führt zu Immunisierung gegen Extremismus

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hält die Ausbildung von Imamen auf Deutsch für längst überfällig. "Aufklärung in der Religion bedeutet am Ende auch Immunisierung gegen Extremismus", sagte Mazyek im RBB-Inforadio.

Viele Extremisten hätten Moscheen und anderen Institutionen des Islam den Rücken gekehrt. Helfen könnten die muslimischen Gemeinden aber vor allem mit Seelsorge und Prävention - insbesondere für die Familien von Extremisten.

© SZ/dpa/epd/saul

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