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Schweizer gegen Ecopop:Direkte Demokratie - mit Vernunft und Maß

Erfolgreiche "Nein"-Kampagne: Eine deutliche Mehrheit der Schweizer lehnte Ecopop ab.

(Foto: AFP)

Ecopop und zwei andere populistische Initiativen sind gescheitert. Damit ist die Vorstellung widerlegt, man könne in der Schweiz jedes Volksbegehren durchsetzen, das die Welt in Freund und Feind einteilt.

Kommentar von Charlotte Theile, Zürich

Direkte Demokratie ist immer für eine Überraschung gut. Vieles deutete in der Schweiz darauf hin, dass etwa die Abstimmungen zur Begrenzung von Zuwanderung zumindest knapp ausgehen oder gar von den Initiatoren gewonnen werden könnte. Doch die Antwort der Bürger war deutlich. Mehr als 70 Prozent lehnten den Ecopop-Vorschlag ab.

Nachdem der kleine Verein mit seiner Initiative "Stopp der Überbevölkerung" über Monate die Schlagzeilen dominiert und die Talkshows beschäftigt hatte, kann man davon ausgehen, dass sich die Menschen ein Bild machen konnten. Ecopop wurde nach reiflicher Überlegung abgelehnt - und zwar so klar, dass man von einer Kurskorrektur sprechen kann: Die Schweizer wollten dieses Mal weder dem Bundesrat noch der Europäischen Union oder den Einwanderern eins auswischen.

Stattdessen zeigten sie Tugenden, auf die man zuletzt nicht mehr unbedingt zählen konnte: ökonomische Vernunft und politische Mäßigung. Die Vorstellung, man könne in der Schweiz jedes Volksbegehren durchsetzen, das die Welt vereinfacht und in Freund und Feind einteilt, ist mit dieser Abstimmung deutlich widerlegt worden.

Für die Politik, die durch strikte Quoten stark eingeschränkt worden wäre, ist das Votum ein Vertrauensbeweis. Und die Bürger? Sie haben an diesem Sonntag bewiesen, dass man sie nicht unterschätzen sollte. Denn das merken sie.

© SZ vom 01.12.2014/gal

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