Schwaben-Schelte von Bundestagsvize Thierse:Von deutschem Multi-Kulti und Friseurbesuchen

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Antwort aus dem Südwesten: Die CDU greift Bundestagsvizepräsident Thierse an, weil dieser zuvor die nach Berlin zugezogenen Schwaben kritisiert hatte. Aus der FDP dringt ein Toleranzappell an den Sozialdemokraten - samt kleiner Bosheit.

Von Oliver Das Gupta

Sorgt mit seiner Schwaben-Suada für Aufregung: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD)

Sorgt mit seiner Schwaben-Suada für Aufregung: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD)

(Foto: dpa)

Die Aufregung um Wolfgang Thierse hat Baden-Württemberg erreicht. Nachdem der sozialdemokratische Bundestagsvizepräsident in einem Zeitungsinterview über die zahlreichen Schwaben in seinem Berliner Heimatbezirk Prenzlauer Berg gelästert hatte, kommt vom politischen Gegner aus dem Südwesten ein entsprechendes Echo. Doch während die FDP mit feinem Florett ficht, wählen die Christdemokraten den schweren Säbel.

"Totaler Stuss" sei die Kritik des SPD-Politikers, grollt der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl. "Herr Thierse versucht, ein billiges Hintertürchen zu nehmen, indem er sich jetzt mit 'Humor' herausreden will", schimpft CDU-Landeschef Thomas Strobl im Gespräch mit der dpa. "So ganz ernst sollte man solches Geschwätz eh nicht nehmen", meint Strobl. Er erinnerte Thierse aber daran, "dass Multikulti mit dem Respekt vor den eigenen Landsleuten beginnt". Strobl fühlt sich wohl persönlich angegriffen: Der Mann verbringt als Bundestagsabgeordneter selbst viel Zeit in Berlin.

Feinsinniger fällt der Kommentar von Hans-Ulrich Rülke aus. Der FDP-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag rät zur gegenseitigen Toleranz: "Herr Thierse akzeptiert, dass die Schwaben in ihren Häusern Kehrwochen abhalten", sagt er Süddeutsche.de und stellt mit Blick auf Thierses vollbärtig-zerzauste Haarpracht eine kleine Bosheit als Bedingung: "Dafür akzeptieren die Schwaben, dass Herr Thierse Friseurdienstleistungen meidet."

Thierse selbst kann den von ihm verursachten Wirbel offenbar nicht nachvollziehen. Die Aufregung sei lächerlich, zitiert ihn der Tagesspiegel. Er sei überrascht, dass die "organisierte Schwabenschaft" sich über seine Bemerkung mokiere, sagt der Sozialdemokrat - und fügt gleich die nächste These hinzu, die andernorts als Provokation verstanden werden kann: "Berliner haben mehr Witz".

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