Sowjet-Soldaten über Stalingrad – Der Kommandeur darf nicht mit der Wimper zucken

"Es gibt keine Helden, die keine Angst hätten. Niemand sieht, niemand weiß, was [Armeegeneral Wassili] Tschuikow macht, wenn er allein ist, wenn es keine Zeugen gibt, wenn man nicht sieht, wie sein Hirn arbeitet. Dass einer unserer Kommandeure zu seinen Untergebenen gegangen wäre und sein schwaches Seelchen gezeigt hätte, das gab es zwar vereinzelt, aber das sind Bastarde. Wir sitzen im Unterstand, und die Granatsplitter fliegen uns um die Ohren. Sitzen wir da einfach, ohne dass es uns etwas ausmacht? Das glaube ich nicht. Der Selbsterhaltungstrieb ist da, aber der Stolz eines Mannes, insbesondere eines Kommandeurs, spielt im Kampf die entscheidende Rolle. (...) Vor den Augen des Kommandeurs sterben Tausende von Männern, aber er darf nicht mit der Wimper zucken. Wenn er allein ist, kann er weinen. Mögen sie hier deinen besten Freund töten, du musst trotzdem wie versteinert dastehen."

(Armeegeneral Wassili Tschuikow, aus: Hellbeck: Stalingrad-Protokolle, S. 343/344)

Foto: Sowjetische Soldaten kämpfen 1942 in den Ruinen des Traktorenwerks "Roter Oktober" in Stalingrad.

Bild: SCHERL 19. November 2012, 18:122012-11-19 18:12:01 © Süddeutsche.de/gal/odg/sana/rus