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Wahl in Baden-Württemberg:Die kleine Bundestagswahl

Die Kanzlerin und die Atomwende, Westerwelle und seine Libyen-Politik, Mappus und die CDU-Bastion: Die Wahl in Baden-Württemberg, zu der am heutigen Sonntag 7,8 Millionen aufgerufen sind, ist richtungsweisend. Sollte das Land für die Union verlorengehen, ist Angela Merkel nicht mehr weit weg von Gerhard Schröder nach dem SPD-Debakel in Nordrhein-Westfalen 2005. Ob die Kanzlerin Neuwahlen riskieren würde?

Wenn Stefan Mappus am Sonntag abgewählt werden sollte, könnte er seine politischen Memoiren schreiben. Es wäre trotz kurzer Amtszeit als Ministerpräsident von Baden-Württemberg ein dickes Buch. Mappus hat in einem Jahr mehr erlebt als andere in einer vollen Legislaturperiode.

Und es ist selten ein Politiker so furchtlos in das Amt eingezogen und mit so vielen Narben herausgekommen. Einige davon hat er selbst zu verantworten. Der Politiker Mappus erinnert bisweilen an einen Boxer, dem der Punchingball immer wieder ins Gesicht zurückfedert.

Stuttgart 21, Atomkraft und der Kauf des Energiekonzerns EnBW: Hochsymbolische Auseinandersetzungen wurden stellvertretend in Baden-Württemberg ausgetragen. Der Ministerpräsident inszenierte sich als Politiker der klaren Kante und lag meistens daneben, nicht immer in der Sache, aber stets im Stil. Er wollte der Macher sein - und lernte vor allem, wie man es nicht machen sollte.

Es passt zur überladenen politischen Existenz des Stefan Mappus, dass nun von ihm auch noch in hohem Maße Wohl und Wehe der Kanzlerin, ihrer Koalition und ihrer Partei abhängen. Eine Niederlage in Baden-Württemberg wäre für Angela Merkel als CDU-Vorsitzende ein historisches Ereignis, auf das sie gut verzichten kann.

Helmut Kohl hat in seiner Zeit als Kanzler seine Heimat Rheinland-Pfalz an die SPD verloren. Dort hat Kurt Beck gute Chancen, am Sonntag wieder als Ministerpräsident bestätigt zu werden, obwohl er jetzt schon länger in Mainz regiert, als Kohl Kanzler war. Baden-Württemberg aber ist eine Kategorie für sich. Als die CDU dort die Macht erhielt, war Angela Merkel noch nicht einmal geboren.

Deshalb ist diese Landtagswahl wie eine kleine Bundestagswahl. Merkel selbst hat in der Auseinandersetzung um Stuttgart 21 diese Wahl auch zu einer Abstimmung über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands erklärt. Sie hat das getan, weil sie wusste, dass es auch um die Zukunft ihrer Regierung gehen würde. Die Landtagswahl ist eine kleine Bundestagswahl, weil in Stuttgart wie Berlin schwarz-gelbe Koalitionen glücklos regieren, die eng miteinander verwoben sind.

Viele wichtige Figuren im Bund kommen aus Baden-Württemberg: Merkels Finanzminister Wolfgang Schäuble zum Beispiel, ihr treuer Fraktionschef Volker Kauder, ihre Vertraute Annette Schavan. Und die FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger. Stefan Mappus wäre qua Amt auch bedeutend. Politisch war er es bisher nur insofern, als dass Merkel mit ihm Baden-Württemberg für die CDU halten muss.

Verabschiedung von Kurt Beck

Abgang von König Kurt