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Saudi-Arabien:Stark und feige

Im Umgang mit einem kritischen Blogger offenbart das Land seine Schwäche und Widersprüche.

Saudi-Arabiens Regime zeigt sich schwach. Es ist zu ängstlich, um ein paar Worte der Kritik von einem Blogger zu ertragen. Zu verzagt, um die verhängte drakonische Strafe jetzt zu vollstrecken. Gleichzeitig aber auch zu feige vor den Radikalen im eigenen Land und in der Region, um darauf endlich endgültig zu verzichten. Bluten musste der Blogger Raif al-Badawi an diesem Freitag zum Glück nicht, die neueste Runde der Stockhiebe wegen "Beleidigung des Islam" blieb ihm erspart. Dennoch schwebt der Stock weiter über ihm, die Drohung gegenüber Andersdenkenden im Land bleibt. Das Regime in Riad strotzt nur so vor Waffen, es ist schwerreich, größter Ölverkäufer der Welt, Herrscher über die heiligen Stätten. Aber es ist zu nervös, um eine Entscheidung zu treffen.

Noch vor fünf Jahren wäre der Blogger schnell wieder in Ruhe gelassen worden. Erst seitdem dschihadistische Terrormilizen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Saudi-Arabien erstarken, geht in Riad die Sorge um, man könne selbst zur Zielscheibe werden. Also verschärft die Religionspolizei ihre Gangart - eine Entwicklung, gegen die Badawi angeschrieben hat. Die Propaganda wird aufgedreht, und die Justiz schlägt scharf um sich, um zu zeigen: In Sachen religiöser Rigidität macht uns keiner was vor. Hier ist der wahre islamische Staat.

Das starke Land am Golf, es gibt einen größeren Anteil seines Haushalts fürs Militärische aus als selbst die USA - und hängt sein Fähnchen in den Wind.