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Saeb Erekat:Harter Diplomat mit Hang zum Sarkasmus

Saeb Erekat

Fatah-Politiker Erekat ist das internationale Gesicht der Palästinenser.

(Foto: REUTERS)

Saeb Erekat ist ein Altgedienter: Der palästinensische Unterhändler half schon Arafat bei den Oslo-Verträgen, jetzt nimmt er für Abbas an den Nahost-Friedensgesprächen teil. Seine Sache will er gewaltfrei voranbringen, kann dabei aber auch polemisch werden. Besonders, wenn es um Israels Regierungschef Netanjahu geht.

Von Tomas Avenarius

Wenn sich Palästinenser und Israelis demnächst wieder zu "Friedensgesprächen" sehen, wird die Atmosphäre eines Veteranentreffens herrschen. Alte Bekannte kommen zusammen, um das Heilige Land irgendwie gerecht untereinander aufzuteilen.

Der Palästinenser Saeb Erekat ist einer der Altgedienten, die zugleich erbitterte Feinde sind. Der 58-Jährige ist seit 20 Jahren palästinensischer Unterhändler. Erst war er einer der Vertrauten von PLO-Chef Jassir Arafat. Dann wurde er zum Sprachrohr des ewig missmutigen, wenig wortgewandten Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas. Auch jetzt, bei der von US-Außenminister John Kerry vorangetriebenen Wiederaufnahme der Friedensgespräche, ist Chefverhandler Erekat mit dabei.

Während die Konkurrenz von der Hamas im Gazastreifen abwechselnd politisch mauert oder einige Raketen schießt, hoffen Abbas, Erekat und die Fatah-Palästinenser im Westjordanland trotz Jahrzehnte des Misserfolgs weiter auf eine Verhandlungslösung. Erekat vertritt diese Sache meist diplomatisch, aber immer hart, bei Bedarf gern auch polemisch. Das gilt besonders, wenn die Rede auf Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kommt. Der Hardliner personifiziert für Erekat das, was für einen Kampfstier das rote Tuch ist. Besser vielleicht, dass zuerst nur Experten zusammensitzen: Mit Israels Abgesandter Tzipi Livni trifft der Palästinenser die Tonlage leichter.

Was Inhalte angeht, kann der Fatah-Politiker auf Erfahrung zurückgreifen. Anfang der Neunzigerjahre hatte er Palästinenserführer Arafat geholfen, die Oslo-Verträge auszuhandeln. Das aber war auch schon die letzte Erfolgsnummer im tristen Friedenszirkus zwischen Jerusalem und Ramallah. Erekat, der viel redet und amüsant sein kann, ist über die Jahre sarkastisch geworden: "Wenn in Tel Aviv einer niest, kriege ich in Jericho sofort die Grippe." Was die gekonnten Finten der israelischen Seite angeht, auf welche die Araber so gern hereinfallen, sagte er: "Selbst Karnickel haben Verteidigungsreflexe."

Erekat, in Jerusalem geboren, entstammt der palästinensischen Oberschicht, studierte in Großbritannien und den USA. Als Doktor der Friedens- und Konfliktforschung spricht der frühere Journalist im Gegensatz zu vielen seiner Weggefährten fließend Englisch. Der Vater mehrerer Töchter, der stets in Anzug und Krawatte auftritt, wurde so via CNN zum internationalen Gesicht der Palästinenser. Im Westjordanland hilft ihm solche Weltläufigkeit wenig. Erekat hat keine Vergangenheit als Untergrundkämpfer. Ihm fehlt der Heldennimbus, der daheim Prestige und eine handfeste Hausmacht verschafft.

Trotz mancher Anfeindungen sitzt Erekat im einflussreichen Zentralkomitee der Fatah-Partei, ist Minister für Lokalverwaltung. Eine Weile hat er an der Nablus-Universität Politik gelehrt: Auch dies eine seiner dezidiert nicht militanten Anstrengungen, die palästinensische Sache gewaltfrei voranzubringen.

© SZ vom 22.07.2013/cag
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