Krieg in der Ukraine:Russland kontrolliert Region Luhansk

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Krieg in der Ukraine: Russische Soldaten und tschetschenische Kämpfer schwenken Fahnen vor einem zerstörten Gebäude in Lyssytschansk. Das Foto stammt aus dem Telegram-Kanal von Ramsan Kadyrow, dem Führer der tschetschenischen Truppen.

Russische Soldaten und tschetschenische Kämpfer schwenken Fahnen vor einem zerstörten Gebäude in Lyssytschansk. Das Foto stammt aus dem Telegram-Kanal von Ramsan Kadyrow, dem Führer der tschetschenischen Truppen.

(Foto: AP)

Der Kreml hat einen wichtigen militärischen Brückenkopf erobert, die Ukraine will den Donbass nicht verloren geben. In Lugano beraten Vertreter von 40 Ländern und Organisationen über den Wiederaufbau.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Die seit Wochen umkämpfte Stadt Lyssytschansk im Donbass ist am Sonntag endgültig von russischen Truppen eingenommen worden; das teilte in Moskau Verteidigungsminister Sergej Schojgu mit. Die ukrainische Armeeführung hatte noch bis zum Montagmorgen bestritten, dass die gesamte Stadt im Verwaltungsbezirk Luhansk an die Russen gefallen sei. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij räumte aber schließlich - unter Verweis auf zu hohe Verluste - den Rückzug der letzten verbliebenen Truppen ein. Russische Soldaten hissten im Stadtzentrum von Lyssytschansk die Staatsflagge.

Für die Regierung in Moskau ist dies ein bedeutender Sieg, weil damit offiziell das gesamte Gebiet von Luhansk unter Kontrolle der Angreifer ist. Dies hatte als wichtiges Kriegsziel des Kreml gegolten, nachdem die schnelle Einnahme der Zentralukraine und von Kiew nicht gelungen war. Nun dürfte die russische Armee versuchen, auch den Rest des noch unter ukrainischer Kontrolle befindlichen Verwaltungsbezirks Donezk einzunehmen.

Der Generalstab in Kiew hatte lange gezögert, Lyssytschansk ganz aufzugeben, weil die Stadt mitsamt ihrer bereits von den Russen eroberten Nachbarstadt Sjewjerodonezk als wichtiger militärischer Brückenkopf im Donbass galt. Ihr Fall macht es der russischen Armee nun viel leichter, weiter in den südwestlichen Teil der umkämpften Region vorzustoßen. Der Donbass sei noch nicht verloren, selbst wenn Russland ganz Luhansk erobere, hatte ein Armeesprecher in Kiew gesagt. Präsident Selenskij räumte in der Nacht zum Montag in einem Video ein, es sei eine "schwierige Zeit". Alles müsse aber dafür getan werden, dass Russland den Krieg verliere - nicht nur militärisch, sondern auch historisch und "konzeptionell". Die Ukraine lasse sich nicht zerbrechen, auch nicht durch einen brutalen Krieg.

Russland kontrolliert mittlerweile mehr als ein Fünftel der Ukraine

Derweil gingen die russischen Angriffe auch in anderen Landesteilen weiter. Laut dem ukrainischen Generalstabsbericht wurden Charkiw und Slowjansk beschossen. Auch auf Bachmut, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Gebiet Donezk, auf Spartak, eine Vorortsiedlung von Donezk, sowie auf Mykolajiw im Süden der Ukraine gingen die Luftangriffe weiter. Russland kontrolliert mittlerweile mehr als ein Fünftel der Ukraine. Wenn die russische Armee jetzt weiter auf zentrale Stützpunkte der Ukraine im Donbass vorrückt, dürfte sich fortsetzen, was schon in den vergangenen Wochen zu beobachten gewesen war: In bis auf die Grundmauern zerstörten, weitgehend verlassenen Städten wäre das Überleben nur noch schwer möglich.

In Lugano in der Schweiz begann unterdessen am Montag ein internationales Treffen zum Wiederaufbau der Ukraine nach Kriegsende, das explizit keine "Geberkonferenz" sein soll. Delegationen aus fast 40 Ländern und internationale Organisationen beraten vielmehr über eine Art Marschallplan für das Land, der sich am Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg orientieren soll. Nötig seien für die Ukraine, die bereits verheerende Zerstörungen verzeichnen muss, mindestens 750 Milliarden Dollar (knapp 720 Milliarden Euro), sagte in Lugano der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal.

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