Ukraine-Krieg:Erfolgsmeldung an den Kremlchef

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Ukraine-Krieg: Zerstörung im umkämpften Lyssytschansk, am Sonntagmorgen.

Zerstörung im umkämpften Lyssytschansk, am Sonntagmorgen.

(Foto: dpa)

Russische Truppen erobern Lyssytschansk. Es war die letzte wichtige Bastion der Ukrainer in der Ostregion Luhansk.

Von Andrea Bachstein, Lyssytschansk/München

Nach wochenlangen Gefechten zieht sich die ukrainische Armee aus der Stadt Lyssytschansk im Osten des Landes zurück. Dies teilte der Generalstab in Kiew am Sonntagabend mit. Die russischen Besatzungstruppen hätten eine mehrfache Überlegenheit, hieß es. Eine weitere Verteidigung hätte daher "fatale Folgen". Lyssytschansk hatte vor dem Krieg 100 000 Einwohner und war die letzte größere Bastion der Ukrainer im Gebiet Luhansk.

Dessen Eroberung gehört zu den von Russland benannten vorrangigen Kriegszielen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bezeichnete die Lage um Lyssytschansk als schwierig. Auf die Frage, ob Russland die Region Luhansk komplett erobern könne, sagte Selenskij: "Es gibt solche Risiken, dass das Gebiet Luhansk besetzt wird. Sie sind uns klar. Aber man muss verstehen, dass sich die Situation täglich ändern kann."

Zuvor hatte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu gesagt, Russland habe die völlige Kontrolle über Lyssytschansk und das Gebiet Luhansk. Die gesamte Region Luhansk sei "befreit" worden, teilte Schoigu Kremlchef Wladimir Putin mit, wie sein Ministerium bekannt gab.

Am Vorabend hatten prorussische Separatisten mitgeteilt, sie hätten mit russischen Soldaten das Gebäude der Stadtverwaltung unter Kontrolle gebracht. Nach Einnahme Lyssytschansks könnten die Angreifer sich nun darauf konzentrieren, in der Donzek-Region die Städte Kramatorsk und Slowjansk einzunehmen.

Bei Raketenangriffen auf die ostukrainische Stadt Slowjansk sind Bürgermeister Wadym Ljach zufolge sechs Menschen getötet und 15 verwundet worden. Die Angaben aus den Kampfgebieten lassen sich unabhängig kaum prüfen. Auch aus dem Gebiet Charkiw sowie aus Kramatorsk wurde Beschuss gemeldet. Laut dem Generalstab der Ukraine wurden dort die Russen zurückgeschlagen. Im Donezk werde weiter gekämpft in Richtung des Verkehrsknotenpunkts Bachmut, ebenso um einen Vorort von Donezk.

Angriffe auch auf das russische Belgorod

Im Süden griffen ukrainische Einheiten Ziele in der Stadt Melitopol an, die schwere Explosionen erschütterten. Melitopol ist von russischen Einheiten besetzt. Auf einen ihrer Stützpunkte in der Stadt seien mehr als 30 Geschosse abgefeuert worden, er sei außer Gefecht gesetzt worden, teilte Melitopols ukrainischer Bürgermeister Iwan Fjodorow am Sonntag auf Telegram mit. Laut Fjodorow wurden Militärgerät und Treibstofflager getroffen.

Auch auf russischem Gebiet sollen Angriffe erfolgt sein. In der grenznahen Stadt Belgorod habe es Explosionen gegeben, laut russischer Seite gab es mindestens drei Tote. Moskau wirft der Ukraine vor, hinter bereits mehreren Angriffen auf die Stadt mit knapp 400 000 Menschen zu stecken. Die Regierung in Kiew hat sich nicht dazu bekannt.

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