"Ruby"-Prozess Verteidiger fordert Freispruch für Berlusconi

Prostitution mit Minderjährigen und Amtsmissbrauch? Für den Anwalt Berlusconis ist es ganz klar: Die Vorwürfe sind gegenstandslos, der frühere italienische Regierungschef unschuldig und das Gericht voreingenommen. Am Ende des so genannten "Rubygate"-Prozesses könne deshalb nur eines stehen: ein Freispruch.

Freispruch auf der ganzen Linie - das verlangt der Verteidiger Silvio Berlusconis im Mailänder "Ruby"-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch für seinen Mandanten.

In seinem Schlussplädoyer sagte Anwalt Niccolò Ghedini, die Vorwürfe gegen Berlusconi seien gegenstandslos. Das Gericht sei voreingenommen, die Staatsanwältin Ilda Boccassini habe seinen Mandanten "mehr mit Suggestionen als mit Fakten" vorverurteilt. Berlusconi könne nur freigesprochen werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft für den 76-Jährigen verlangt, ein Strafmaß, das Ghedini am Montag "ungeheuerlich" nannte. Er kritisierte eine "kulturelle Nähe" zwischen Staatsanwaltschaft und Richtern und gab seinen Eindruck wieder, die Verteidigung sei in diesem Prozess nur störend oder lästig gewesen. Berlusconi hatte in den beiden Anklagepunkten wiederholt beteuert, unschuldig zu sein.

Die junge Marokkanerin "Ruby", alias Karima El Mahroug, steht im Zentrum angeblich wilder Sexpartys in der Villa Arcore Berlusconis. Der frühere italienische Regierungschef wird beschuldigt, im Jahr 2010 mit der damals minderjährigen Nachtklubtänzerin Sex gegen Geld gehabt zu haben. Später soll er sein Amt als Regierungschef missbraucht haben, um die Freilassung der wegen Diebstahls festgenommenen Marokkanerin bei der Polizei zu erreichen.

In einem Nebenprozess hatte Ruby kürzlich gesagt, sich nicht mehr so gut an die Ereignisse erinnern zu können. Sie könne nicht sagen, ob sie im März 2010 allein oder mit anderen jungen Frauen in Berlusconis Villa übernachtet hatte. Jedenfalls will sie keinen Sex mit ihm gehabt und von ihm auch keine Millionen erhalten haben, wie die Anklage sagt. Ruby gab an, früher geprahlt und "Dummheiten" ausgesagt zu haben. Die Anklage hingegen sprach von "systematischer Prostitution" in der Villa.

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi

Ein Mann, viele Fettnäpfchen

Berlusconis Anwalt forderte, das Gericht solle diese jüngsten Erklärungen Rubys zu den Akten nehmen. Berlusconi, damals Regierungschef, hatte ausgesagt, er habe sie für eine Verwandte des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak gehalten und ihr aus Schwierigkeiten mit der Polizei helfen wollen, um so diplomatische Verwicklungen mit Ägypten zu vermeiden. Berlusconi habe sich gegenüber Ruby lediglich "menschlich" gezeigt.

Das Urteil wird am 24. Juni erwartet.