Ärger wegen Ringtausch:Lambrecht schickt einen Brief nach Warschau

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Ärger wegen Ringtausch: Ein Kampfpanzer "Leopard 2" auf einem Übungsfeld: Berlin hat Warschau nur 20 in Aussicht gestellt.

Ein Kampfpanzer "Leopard 2" auf einem Übungsfeld: Berlin hat Warschau nur 20 in Aussicht gestellt.

(Foto: Christophe Gateau/dpa)

Deutschland komme seinen Zusagen beim Waffen-Ringtausch nicht nach, so lautete der wütende Vorwurf aus Polen. Nun versucht die Verteidigungsministerin die Wogen zu glätten - und schickt einen Brief.

Von Mike Szymanski, Berlin

Tagelang hat die Bundesregierung wütende Reaktionen aus Polen aushalten müssen, weil Deutschland aus Sicht des Nachbarlandes seinen Zusagen beim Waffen-Ringtausch nicht nachkomme. Nun versucht Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) die Wogen zu glätten. In einem Brief an ihren Amtskollegen Mariusz Błaszczak in Warschau, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, wirbt sie abermals für das Angebot aus Deutschland und betont, dass auch modernste Leopard-2-Kampfpanzer Teil des Deals sein könnten, nur eben nicht sofort.

"Wie bereits auf Arbeitsebene am 14. Juli in Berlin besprochen", schreibt Lambrecht, "wäre zudem eine gemeinsame Beschaffung von hochmodernen Leopard-2-Kampfpanzern von deutscher Industrie möglich". Und weiter heißt es: "Bei der Produktion und Auslieferung dieser neuen Panzer würden wir alles versuchen, dass Polen vorrangig behandelt wird."

Das Ringtausch-Konzept sieht vor, dass vor allem osteuropäische Partner ihre alten Kampf- und Schützenpanzer aus sowjetischer Produktion rasch an die Ukraine abgeben, damit sich das Land gegen die russische Militärübermacht zur Wehr setzen kann. Im Gegenzug versprechen westliche Partner, die Bestände an Kriegsgerät rasch wieder aufzufüllen.

Das Angebot aus Deutschland empfindet Warschau bislang als ungenügend. Polen hat die Ukraine bereits mit der Lieferung von weit mehr als 200 Panzern aus sowjetischer Produktion unterstützt. Berlin hat als Ersatz von den moderneren Leopard-2-Panzern eben nur 20 in Aussicht gestellt, und dazu zählt auch nicht die neueste Variante. Nach Angaben des polnischen Verteidigungsministers Błaszczak wären sie auch erst in zwölf Monaten einsatzfähig. "Sicherlich gibt es Geschenke, die man nur mit großer Vorsicht annehmen sollte", erklärte er unlängst. Zuvor hatte Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sęk im Spiegel sogar von einem "Täuschungsmanöver" Deutschlands gesprochen.

"Jede Möglichkeit mit Nachdruck geprüft, Polen zu unterstützen"

Lambrecht führte im Brief aus, dass Berlin zudem auch 100 Kampfpanzer vom Typ Leopard-1 A5 als Ersatz angeboten habe und Schützenpanzer Marder. Beides sind ältere Panzer. Sie wirbt für Verständnis, denn auch der Bundeswehr fehle modernes Gerät: "Wie Ihnen bekannt ist, ist eine Kompensation aus Beständen der Bundeswehr angesichts des eigenen Unterbestandes und der Einhaltung unserer Bündnisverpflichtungen nicht möglich."

Berlin habe aber "jede Möglichkeit mit Nachdruck geprüft, Polen zu unterstützen". Äußerungen über die polnische Enttäuschung in der Presse habe sie mit Sorge gelesen. Ausdrücklich bedanke sie sich für die Abgabe von Panzern aus polnischen Beständen an die Ukraine. "Mit der großzügigen und vor allem sehr schnellen Abgabe von Panzern hat Ihr Land die Ukraine wirkungsvoll unterstützt. Dafür gilt Ihnen mein größter persönlicher Respekt und herzlicher Dank." Ihren Amtskollegen lässt sie noch wissen, dass sie einen "engen und unermüdlichen Zusammenhalt" unter Alliierten und Freunden für unerlässlich hält. Nun ist die polnische Seite wieder am Zug. Lambrecht bittet um eine Rückmeldung.

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