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Richard Grenell:Botschaft aus Trumpistan

Der US-Vertreter in Berlin erweist sich als Agitator.

Von Stefan Kornelius

Warum eigentlich sollte der Botschafter der USA in Deutschland anders klingen als der Präsident der USA, dessen Vertreter er doch ist? Das amerikanische Botschaftersystem ist auf Verdienst gegründet. Entsandt wird, wer sich in Donald Trumps Wahlkampf Meriten erworben hat. Richard Grenell hat das getan, deswegen lebt er nun in Berlin.

Donald Trump hat in den vergangenen Monaten so viele Tabus gebrochen, dass es folgerichtig ist, wenn seine Gefolgsleute ebenso Tabus brechen. Also verstößt Grenell gegen die Etikette und führt sich als Agitator auf. Grenell ist eben kein klassischer Botschafter, sondern ein Gesandter des ideologischen Trump-Systems. Seine Aufgabe ist es, die hiesige Politik zu infizieren.

Die klassische Botschafterrolle hat Grenell damit abgelegt. Das ist schade, aber zweitrangig. Für bilaterale Beziehungen braucht es den Botschafter nicht zwingend. Viel wichtiger ist, dass Grenell nun die politische Republik vor die Wahl stellt, ob sie ihm auf diesem Weg folgt oder nicht. Er setzt einen schneidenden und spaltenden Ton, der die durchaus scharfen Mahnungen mancher Vorgänger wie Richard Burt oder Richard Holbrooke versöhnlich wirken lässt. Ein paar wenige Freunde wie Jens Spahn hat er sich mit seinem Poltern gemacht. Viel mehr werden es nicht werden.

© SZ vom 05.06.2018

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