Republikaner:Taschengeld für Milliardäre

Mit einer gigantischen Spende wollen die Unternehmer und Brüder Koch die Wahl für die Konservativen entscheiden.

Von Reymer Klüver

Es war wohl bloß eine etwas flapsige Bemerkung, vielleicht der Euphorie des Moments geschuldet. In jedem Fall jedoch war die Aufregung groß, zumindest im konservativen Amerika. David Koch, der Multi-Milliardär und zusammen mit seinem Bruder Charles der einflussreichste Großspender für die Sache der Republikaner in den USA, bedankte sich nach einem eindrucksvollen Redeauftritt des erzkonservativen Gouverneurs von Wisconsin, Scott Walker, und sprach einen Halbsatz, der Republikaner wie Demokraten elektrisierte - wenn auch wohl aus sehr unterschiedlichen Gründen: "Wenn die Vorwahlen dann vorbei sind und Scott Walker die Nominierung gewonnen hat", sagte Koch wie beiläufig, ehe ihn Applaus und Gelächter unterbrachen und darauf aufmerksam machten, dass er gerade offenkundig eine ziemliche Dummheit begangen hatte.

Das war in der vergangenen Woche in New York. Der lockere Spruch hat einmal mehr die Befürchtungen verstärkt, dass die beiden schwerreichen Brüder es darauf abgesehen haben, mit Hilfe ihrer Dollars zu bestimmen, wer als Nachfolger des von ihnen gehassten Demokraten Barack Obama im Januar 2017 ins Weiße Haus einziehen kann. Die Unternehmerbrüder haben in den vergangenen zehn Jahren ein Netz an Lobby-Organisationen aufgebaut, mit dem sie landesweit konservative politische Anliegen - und Kandidaten - fördern.

Fast 900 Millionen Dollar wollen die beiden (ihr Privatvermögen wird auf jeweils 40 Milliarden Dollar geschätzt) zusammen mit 300 anderen wohlhabenden konservativen Großspendern in den kommenden Präsidentschaftswahlkampf stecken. Das dürfte fast genauso viel sein, wie die beiden Kandidaten der Demokraten und der Republikaner mit Unterstützung ihrer Parteien jeweils selbst für den Wahlkampf zusammenbekommen werden. Und es ist deutlich mehr als Mitt Romney, der gescheiterte Kandidat der Republikaner, 2012 zur Verfügung hatte: Er konnte 657 Millionen Dollar ausgeben.

Jeb Bush ist den Koch-Brüdern eigentlich zu liberal

Die Ängste auf Seiten der Demokraten liegen auf der Hand: Sie befürchten, dass ihre wohlhabenden Sympathisanten nicht genug Geld aufbringen werden, um die von den Kochs finanzierte rechte Wahlwerbung zu kontern. "Da kommt ein Haufen Milliardäre", sagte der Parteisprecher sarkastisch, "und nimmt fast eine Milliarde Dollar Taschengeld in die Hand, um den Präsidenten zu kaufen."

Doch auch manchen Republikanern ist nicht ganz wohl beim Gedanken an die Koch-Brüder, für den Fall nämlich, dass sie ihre Millionen schon im Vorwahlkampf einsetzen könnten. Bisher hatten die beiden Unternehmer deutlich gemacht, dass sie sich aus den Primaries bei den Republikanern raushalten würden.

Und so beeilte sich David Koch am Tag nach seiner umstrittenen Äußerung zu erklären, dass er den Gouverneur von Wisconsin zwar für einen "klasse Kerl" halte, dies aber keineswegs bedeute, dass Walker ihr Lieblingskandidat sei. Tatsächlich aber haben die beiden längst deutlich gemacht, wen sie aus dem guten Dutzend republikanischer Bewerber bevorzugen: Walker gehört dazu, auch die ebenso konservativen Senatoren Ted Cruz, Rand Paul und Marco Rubio stehen auf ihrer Liste. Selbst Jeb Bush geben die Kochs eine Chance, obwohl sie ihm eigentlich misstrauen: Die Bushs im Weißen Haus waren ihnen bisher zu liberal.

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