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UN-Vollversammlung:Ahmadinedschad und der "Akt des Bösen"

Eklat um Irans Präsidenten bei der UN-Vollversammlung: Als Ahmadinedschad seine Verschwörungstheorien zu 9/11 äußerte, verließen zahlreiche Delegierte den Saal. Dann griff er zu Koran und Bibel.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat auch in diesem Jahr mit einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York für einen Eklat gesorgt. Vertreter der USA und Westeuropas verließen demonstrativ den Saal, als Ahmadinedschad die Vermutung äußerte, die USA selbst würden hinter den Angriffen auf das New Yorker World Trade Center und andere Ziele stecken, um Israel zu retten.

UN-Vollversammlung - Mahmud Ahmadinedschad

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad sprach vor der UN-Vollversammlung - und sorgte wieder für Ärger.  

(Foto: dpa)

Es gebe die Theorie, dass "einige Elemente in der US-Regierung den Angriff orchestriert haben, um die schrumpfende amerikanische Wirtschaft und ihren Griff auf den Nahen Osten ebenso zu retten wie das zionistische Regime", sagte Ahmadinedschad. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte der Nachrichtenagentur dpa, diese Äußerungen seien "abwegig und verletzend". Auch die deutsche Delegation hatte den Saal verlassen.

Mark Kornblau von der US-Mission bei den UN sagte, statt den guten Willen des iranischen Volkes zu repräsentieren, habe der Präsident "abscheuliche Verschwörungstheorien" verbreitet.

Für Empörung sorgte auch, dass der iranische Präsident die etwa 3000 Toten der Terrorangriffe gegen "Hunderttausende Tote im Irak und in Afghanistan" aufrechnete. Er warf dem Westen "unglaubliche Verbrechen" vor. Über Jahrhunderte seien andere Länder besetzt, ihre eingeborenen Völker unterdrückt und ermordet und Millionen Menschen versklavt worden. "Weite Teile der Welt haben unter der westlichen Dominanz gelitten."

Zugleich pries er seine Toleranz. Er hielt einen Koran und eine Bibel hoch und sagte: "Ich habe vor beiden dieser heiligen Bücher Respekt."

Mit Blick auf den Streit über das Teheraner Atomprogramm kritisierte Ahmadinedschad, einige Mitglieder des Weltsicherheitsrats hätten "Atomenergie mit Atombomben gleichgesetzt". Er sprach sich für eine atomwaffenfreie Welt aus und warf den USA vor, ihr nukleares Waffenarsenal zu vergrößern statt abzurüsten.

Der iranische Präsident kritisierte außerdem die US-geführten Kriege im Irak und in Afghanistan scharf. Die von einem Pastor in Florida angedrohte Koran-Verbrennung sei ein Akt des Bösen. Die Wahrheit könne nicht verbrannt werden, erklärte Ahmadinedschad mit einem Koran in der Hand.

Auch im vergangenen Jahr hatten aus Protest gegen Ahmadinedschads Äußerungenen bei der UN-Vollversammlung zahlreiche Delegationen den Saal verlassen, darunter auch die deutsche. Die Rede des iranischen Präsidenten war damals durchsetzt mit antiisraelischen und antisemitischen Angriffen.

US-Präsident Barack Obama habe die Äußerungen Ahmadinedschads "empörend und widerwärtig" gefunden, sagte ein US-Vertreter, der anonym bleiben wollte.

Im Streit um das iranische Atomprogramm sieht Bundesaußenminister Guido Westerwelle aber auch nach dem neuen Eklat weiterhin Chancen für Gespräche. Der FDP-Chef äußerte die Hoffnung, dass Iran zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch bereit ist. In der iranischen Führung sei die geschlossene Haltung der Staatengemeinschaft durchaus registriert worden. "Da täuschen mich auch rhetorische Verirrungen und geschmacklose Entgleisungen nicht darüber hinweg."

Teheran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Atombombe zu bauen. Deshalb wurden bereits mehrfach Sanktionen verhängt. Die Gespräche zwischen Teheran und der internationalen Verhandlungsgruppe aus den fünf Veto-Mächten des UN-Sicherheitsrats und Deutschland liegen auf Eis. Einen Termin für die Wiederaufnahme gibt es nicht.