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Rechtsradikale in der Mongolei:Mit Hitler gegen die Chinesen

Parolen an den Wänden und Überfälle auf Ausländer: Junge Mongolen bedienen sich der Nazi-Ideologie und sorgen für Unruhe in dem Steppenland. Vor allem der Hass auf China fällt dabei auf fruchtbaren Boden.

Hakenkreuzgraffitis und "Sieg Heil"-Rufe: In Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, sind Neonazi-Sprüche an Wänden und Fenstern keine Seltenheit. Mit ihrer dunklen Haut und schmalen Augen sind die Mongolen das Gegenteil des propagierten arischen Ideals: Sie gehörten zu den minderwertigen Völkern. Trotzdem verehren mongolische Neonazis Hitlers Ideologie einer reinen Nation - und sehen über so manche Details hinweg.

Mongolian nomads watch a polo practice match at Orkhon Valley near Kharkorin

Die Steppe ist ihr Zuhause: Die Mongolen sind ein Reitervolk und ziehen mit ihren Viehherden als Nomaden umher, auch heute noch.

(Foto: Reuters)

"Hitler hat uns gelehrt, wie man die nationale Identität erhält", sagt ein Mitbegründer der rechtsextremen Gruppe Tsagaan Khas (Weißes Hakenkreuz) im Gespräch mit der britischen Tageszeitung Guardian. Seine sowie zwei andere ultranationalistische Gruppen, Dayar Mongol und Blue Mongol, fühlen sich dazu berufen, ihr Volk gegen den Einfluss von außen zu schützen - und behaupten von sich, dabei nicht zur Gewalt zu greifen. "Wir gehen nicht herum und schlagen drauf los", erklärt ein anderes Mitglied von Tsagaan Khas. "Wir kontrollieren, wir gehen zu Hotels und Restaurants, um sicherzustellen, dass mongolische Mädchen nichts mit Prostitution zu tun haben und dass Ausländer keine Gesetze brechen."

Diese Kontrollgänge scheinen aber des Öfteren zu eskalieren. Die US-Botschaft warnt auf ihrer Website vor Überfällen auf Ausländer: "Seit dem Frühjahr 2010 ist der Botschaft eine steigende Anzahl fremdenfeindlicher Überfälle auf Ausländer in Ulan Bator gemeldet worden", heißt es da. Die Botschaft rät vor allem Amerikanern asiatischer Herkunft zu Vorsicht in der mongolischen Hauptstadt, da sie mit Chinesen verwechselt und ohne Warnung angegriffen würden.

Das Auswärtige Amt zeigte sich deutlich zurückhaltender: "Die Botschaft in Ulan Bator hat ein Auge auf die Lage", hieß es auf Anfrage von sueddeutsche.de. "Wir beobachten die Entwicklung sehr aufmerksam und haben die aktuellen Ereignisse in unsere Reise- und Sicherheitshinweise aufgenommen." Sich häufende Überfälle bestätigte der Sprecher; zu etwaigen fremdenfeindlichen Motiven machte er jedoch keine Angaben.

Die Parolen der Neonazis treffen bisweilen auf Zustimmung in der mongolischen Bevölkerung, vor allem, was den Hass auf den mächtigen Nachbarn China betrifft. Nyamtseren Solidagva arbeitet als Lektorin für Mongolisch in Deutschland und ist zurzeit auf Heimatreise in der Mongolei, wo sueddeutsche.de sie erreichen konnte. Sie ist überzeugt davon, dass die Gruppen ausschließlich antichinesisch sind. Und dafür gebe es gute Gründe: "Korruption und Verletzung der Menschenrechte durch Chinesen, wie zum Beispiel Menschenhandel, sind tägliche Ereignisse in der Mongolei. Es ist wichtig, dass die Welt nationalistische Gruppen nicht als ausländerfeindlich, sondern als chinesenfeindlich sieht. Die Chinesen verletzen unsere Gesetze und übernehmen dafür keinerlei Verantwortung."

Solidagva erzählt von einem mongolischen Polizisten, den mehrere betrunkene Chinesen verprügelten, weil er sie aufgefordert hatte, nicht auf die Straße zu pinkeln. Sie verletzten den Mongolen schwer, mussten aber trotzdem nicht ins Gefängnis. Das war 2006 - ein Einzelfall, könnte man meinen. Doch: "Die Chinesen kaufen unsere Gesetze", sagt Solidagva. "Sie bestechen Polizei und Justiz mit Geld." Einige Mongolen ließen sich darauf ein, andere griffen zu rechtsradikalen Parolen.